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Foto by Patrick Lehrmann

Heute möchte ich den Rapper CALMAN vorstellen, der am letzten Freitag sein neues Album mit dem Titel „Kann Grad Nich“ veröffentlicht hat. Das Album von dem Berliner Rapper handelt von  Verantwortung und dieser wird er auch gerecht und passt somit genau in die heutige Zeit. Ich habe damals selber mit ihm in einer Band gespielt und viel Zeit verbracht. Umso mehr freue ich mich für ihn, dass er sein Genre und seinen einzigartigen Stil heute gefunden hat und sich diesen Meilenstein gelegt hat. Das besondere ist, dass er alles DIY macht und daher seine Handschrift überall herauszulesen ist. Ich kann daher nur wärmstens empfehlen sich das Album anzuhören und die Musikvideos dazu anzugucken. Deshalb nun für alle interessierten alle weiteren Infos mit dem Text von Sebastian Cleemann, welcher das Album sehr gut zusammenfasst.

Album Info

Mit so etwa 26 kommt es ja doch, das Gefühl, dass eben nicht alles möglich und erreichbar ist. Man eventuell gar nicht unsterblich. Alles nicht automatisch gut irgendwann. Like, wer schon mal 26 war. Subscribe, wer damit liebäugelt. Die Beine noch am Tanzen, der Kopf schon längst am Zweifeln, die Weichen längst gestellt, die aufgegeben Gleise noch ein Weilchen im Blick. Zwischen all dem in souveräner Zerrissenheit: dieses Album, diese Songs, diese Stimme, dieses Alles. Samuel Engel, Calman, „Kann Grad Nich“. „Kann Grad Nich“ ist – Entschuldigung kurz, Sam, ist das eigentlich dein Debütalbum? Kommt eventuell besser, den Leuten den Entdeckerinstinkt zu kitzeln – wow, so jung und fresh und klug und traurig. Aber egal. „Kann Grad Nich“ also ist das Album, das Calman nach EPs, Skizzen und One-Offs den meisten zum ersten Mal ins Bewusstsein pflanzen wird.

Raus aus der Einzimmerwohnung, rein in Kopf und Herz, getragen von Laptop, Midikeyboard, Mikrofon, viel Gitarre, viel Knistern, gelegentlich Schub. Calman greift Musik aus Bastelbeat, Zupfluft, Hauruckrüber, schmerzhafter Offenheit, großer Liebe, großem Schmerz. Das ist immer suchend, manchmal düster, niemals zynisch. „Jeder muss irgendwie klarkommen“, rappt Fatoni in seinem Feature. „The world is yours“, singt Sophie Ricshar in ihrem. Beides ist richtig, das ist ja das Ding. 14 Lieder lang macht Sam deshalb das alltägliche Einerseits/Andererseits zu den zwei Seiten vieler guter Medaillen. Herzlichen Glückwunsch, Tour de France gewonnen. Vielleicht ist es dieses Mal nicht gleich wieder vorbei. „Hi Calman, wir sind begeistert von deinem YouTube-Channel! Wir von der GEMA können übrigens dafür sorgen, dass du damit Geld verdienst.“ Ausgerechnet unter „Manchmal Lüg Ich Meinen Arzt An“ schrieben sie ihm diesen Appell an die Businessvernunft. Man hätte es sich sonst für dieses Info vielleicht ausdenken müssen. Denn wenn man Calman fragt, ist „Kann Grad Nich“ das Album zu exakt dieser Dissonanz. Stimmt so nicht, er sagt: es ist ein Album über Verantwortung.

Stimmt so auch nicht, er sagt noch viel mehr: Annehmen und Abstoßen, Pflicht und Kür, Suchen und Finden und wieder Verschwinden, Zweifel und Hingabe, Wollen und Loslegen, aber danke Sam, am Ende ist es doch das. Egal, ob es ums Tanzen, um die Karriere, ums „Wann bist du endlich hier“ oder in quälenden Kreisen um den Tod eines Freundes geht: Verantwortung. Ist ja auch nicht wenig, ist vielleicht ja sogar alles – wer du bist, wo du hingehst, wer mitkommt, wem du wehtust, was du einreißt, was du ändern kannst und willst, was erwartet wird, was du brauchst und geben kannst. Wenn nicht mit Rap, dann klug und achtsam. Hahaha. Kann grad nich.

Aber ja doch, Rap: Wir haben in diesen Zeiten der Vielfalt den Klassiker „Hören Sie diese Rapplatte, denn sie ist ganz anders als alle anderen“ ja endlich weit hinter uns gelassen. Aber hören Sie diese Rapplatte, denn sie ist diese Rapplatte. Wer Fronten sucht, kann „Kann Grad Nich“ gegen den aktuellen „Modus Mio“-Status halten und vergnügt die Differenzen ausmalen. Wer Schnittmengen sucht, findet sie bei Goldroger vielleicht, bei Maeckes, bei DISSY, bei Fatoni. Wer Musik liebt, findet auch Conor Oberst hier, findet Cat Power, findet Maximilian Hecker Offene Worte, Selbstbetrachtungen, manche anschlussfähig, manche schmerzhaft, immer aufrichtig. Vor allem aber immer eingebettet in Musik, die weiß, was sie kann, was sie tut, was sie will. Weil sie weiß, dass 26 auch wieder vorbeigeht. Und alles möglich und erreichbar ist.

Lerne CALMAN kennen

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