Lesedauer: 6 Min.

Zweifellos gibt es in der Gitarrenwelt das Fender- und das Gibson-Lager. Beide Hersteller sind die Vorreiter auf ihrem Gebiet, diverse Modelle wurden an deren Designs angelehnt. Was sie so erfolgreich macht, welche Gitarren-Typen es sonst noch gibt und alle Informationen über die größten Flops kannst du hier nachlesen.

Singlecut und ST-Style: die Klassiker

Schlussendlich ist es Leo Fender höchstpersönlich zu verdanken, dass sich die Marke etablieren konnte. Obwohl er nie zur Gitarre griff, gab es ein überaus gutes elektrotechnisches Verständnis. Dieses machte er sich zunutze und fing bald an mit den ersten Prototypen einer E-Gitarre. Zu diesem Zeitpunkt war Gibson bereits weit voraus. Die Les Paul war geboren und damit die Verkörperung einer E-Gitarre schlechthin. Zwei Humbucker Tonabnehmer verbesserten den Sound der damals üblichen P-90 deutlich. In der Kombination mit einem geleimten Hals gab die Les Paul alles her, was das Gitarristen-Herz begehrt. Entsprechend schön und anmutend wurde das Instrument vom Namensgeber Lester Polfuss designt.

Bei einem solchen Meisterstück versteht es sich fast von selbst, dass sich die Gitarre größter Beliebtheit erfreute. Fender ging hierbei einen anderen Weg. Das Ziel war es, eine möglichst günstige Gitarre für Jedermann zum erschwinglichen Preis zu bauen. Trotzdem sollte diese Gitarre einen gewissen Qualitätsanspruch besitzen. Schnell war klar, dass der Hals geschraubt werden müsse, die Kopfplatte möglichst simpel sein sollte und das aufwändige Tremolo entfällt. Sogar einen Halsstab ließ man zu Beginn weg, wodurch die Zupfinstrumente binnen kürzester Zeit verbogen waren. Um einer Rufschädigung zu entgehen wurde das Problem kurzerhand durch eine Fräsung an der Rückseite des Halses und einem entsprechenden eingeleimten Halsstab gelöst. Bis heute kommt diese Fertigungstechnologie bei Stratocaster und Telecaster zur Anwendung, ist quasi das Markenzeichen von Fender.

Durch ständige Weiterentwicklungen wurde die Fender Strat geboren. Das Modell gilt heute als DIE E-Gitarre schlechthin.  Dass die Gitarre ein Erfolg werden würde, wussten die Macher schon beim ersten Entwurf. Die ersten Verkaufszahlen waren jedoch durchwachsen. Einerseits hatte man sich schon einen sehr guten Namen aufgrund der Telecaster aufgebaut, andererseits standen Gitarristen dem revolutionären Instrument skeptisch gegenüber. Nach einer gewissen Anlaufphase war der E-Gitarre der Erfolg nicht mehr zu nehmen. Sie ist bis heute das meistgebaute, meistverkaufte und (logischerweise) meistkopierte Zupfinstrument der Welt. Diverse Probleme, Erfahrungen und Änderungswünsche der Telecaster flossen in die Entwicklung der Fender Strat ein. Dadurch war sie ein deutlich verbessertes Instrument und nahm es somit zugleich mit den Gitarren der Marke Gibson auf. Trotzdem verdrängte die Strat ihr Geschwistermodell, die Tele, nicht vom Markt. Heute werden beide Instrumente erfolgreich hergestellt und vertrieben.

  • Zwei Hersteller, zwei Wege
  • Gibson in hoher Preisklasse, Fender preiswerter
  • unterschiedliche konstruktive Merkmale zwischen Fender und Gibson

Die Alternativen zu Gibson und Fender

Die Konkurrenz schläft bekanntlich nie und so haben sich im Laufe der Geschichte einige Mitbewerber aufgetan, die (mal mehr, mal weniger) vom Design der Gibsons und Fenders inspiriert wurden. Hier ein kleiner Auszug:

Squier, Epiphone, ESP, Gretsch bauen ähnliche Modelle

Die Gitarren von ESP haben sich beispielsweise hier an beiden Herstellern orientiert. Das amerikanische Unternehmen geht mit den Instrumenten eher in die Hardrock-Richtung und hat entsprechend aggressivere Formen. Gitarren von Ibanez und Yamaha sind weitere Marken, welche einen hohen Bekanntheitsgrad in der Musikszene erreicht haben. Diese E-Gitarre Einsteigermodelle eignen sich besonders, wenn mit dem spielen begonnen wird. Einer der traditionellen Wettbewerbern ist der Instrumentenbauer Gretsch. Die Marke brachte einige Modelle heraus, die einige Alleinstellungsmerkmale aufwiesen (F-Löcher, 12-Saiter, etc.). Außerdem gibt es auch noch PRS (Paul Reed Smith) im Bereich des höherpreisigen Segments. Ein bauchiger Solidbody, ein unverwechselbarer Klang und die unverkennbaren Bird-Inlays zeugen von einem etwas anderen Weg. Um SG, Telecaster und Les Paul für Jedermann greifbar zu machen, haben die Hersteller entsprechende Günstig-Schienen entworfen. Squier nennen sich die Gitarren bei Fender und Epiphone ist das Pendant bei Gibson. Diese Gitarren weisen nach Kundenbewertungen oftmals eine äußerst gute Qualität auf und besitzen ebenso das typische Fender/Gibson Design. Ohnehin gibt es schon jetzt zahlreiche Marktbegleiter von Fender und Gibson. Bricht man dieses Angebot noch weiter auf die einzelnen Modelle herunter, ergibt sich eine unglaublich große Varianz an E-Gitarren. Dass dabei einige Versionen optisch stark an beliebten Klassikern angelehnt sind, versteht sich fast von selbst.

  • ESP, Jackson und BC Rich mit aggressiven Kanten und scharfem Design
  • Ibanez, Yamaha und Harley Benton für Einsteiger
  • Gretsch und PRS als traditionelle Alternativen

Viele Flops, auch von den Großen

Obwohl Gibson und Fender definitiv die beliebtesten Marken in der Gitarren-Welt sind, haben sie sich dennoch einige Fehlgriffe geleistet. So galt die Flying V von Gibson anfänglich als Ladenhüter. Ihr futuristisches Design sollte nicht für diese Zeit gedacht sein. Hingegen floppte die Reverse Flying V mit ihrem umgedrehten V auf voller Länge. Vielerorts gab es nur noch Kopfschütteln für dieses Aussehen. Bei der Firebird holte sich Gibson sogar den Chefdesigner diverser Automarken, Raymond Dietrich, ins Boot. Auch wenn das Design als gelungen gilt, so besitzt die Gitarre einen entscheidenden Nachteil, der ihr viel Missmut einbringt.  Durch den wuchtigen Kopf gilt das Modell als äußerst Kopflastig. Dies führt dazu, dass der Spieler ständig das Gewicht des Kopfes entgegen halten muss. Fender hingegen zeichnete sich nicht gerade mit der Stratacoustic aus. Die Idee war es, eine Akustikgitarre auf Basis der Fender Strat zu bauen. Die Kopfplatte entsprach dem Klassiker, auch die Korpusform war diesem nachempfunden. Statt Tonabnehmer gab es einen relativ kleinen Resonanzkörper. Von vielen Gitarrenspielern wurde dieses Modell als „weder Fisch noch Fleisch“ betrachtet und verkaufte sich nie wirklich gut. Ein schwacher Sound rundete das unbeliebte Paket ab. Aber auch die kleineren Marken haben bewiesen, dass sie durchaus Geld verbraten können. PRS galt schon immer als Vorzeigeschüler für Gitarren. Das ausgeklügelte Konzept hat sich etabliert und der Hersteller gilt als gesetzte Größe in der Gitarrenwelt. Mit der EG-Serie wollte man eine preisgünstige Version der Paul Reed Smith vermarkten, was jedoch völlig verfehlt wurde. Zwar war die EG optisch kaum verkehrt, so wurde die Produktion dennoch durch anhaltenden Misserfolg innerhalb weniger Jahre eingestellt. Die Peavey AT-200 ist ein Modell, welches einen Chip verbaut hat. Dieser Chip sollte den Ton der Saite stets so verändern, dass die Gitarre nie gestimmt werden muss. Das Projekt ging schief, die Absatzzahlen wurden komplett verpasst. Ein weiteres Modell, welches zu viel Technik besaß und deshalb floppte, war die Moog E1. Die Gitarre sollte eine Mischung aus E-Gitarre und Synthesizer werden, was jedoch viele Gitarristen abschreckte.

TopFlop
StratocasterMoog E1
TelecasterEG-Serie
Les PaulPeavey AT-200
ES-335Flying-V
PRS SEStratacoustic
Gibson SGFirebird
Auszug von geglückten und nicht geglückten Serien/Modellen von Gibson und Fender

Warum floppt eine Gitarre, während sich ein anderes Modell etablieren kann? Manchmal liegt es an untypischen Designs, einem hässlichen Aussehen oder einer schlechten Bespielbarkeit. Oftmals jedoch machen tatsächlich Kleinigkeiten den Unterschied und der Hersteller muss gerade zur richtigen Zeit den passenden Bedarf der Kunden ansprechen können.

  • Flying V von Gibson anfänglich Ladenhüter
  • Stratacoustic als großer Flop von Fender
  • Peavey und Moog mit sonderbaren Flops

Und welche Gitarre lacht dich an?

Die meisten Gitarristen kommen an dem bestimmten Punkt an, wo sie sich fragen, welches Gitarre sie kaufen sollen und die Richtige für sie sei. Bei der riesigen Auswahl kann schnell der Überblick verloren gehen und rasch greifst du zur falschen Klampfe. Damit das nicht passiert, solltest du dir Bewertungskriterien überlegen, die dir wichtig sind. Im Wesentlichen können diese Kriterien wie folgt unterteilt werden:

  • Optik
  • Klang
  • Bespielbarkeit
  • Funktionalität

Mit welchem Schlüssel du die einzelnen Punkte bewertest, liegt an dir. Wir sind der Meinung, dass die Optik eine untergeordnete Rolle spielt (10%). Vielmehr solltest du Wert auf Klang (40%) und Bespielbarkeit (30%) legen. Wenn du nach etwas ganz bestimmtes suchst, dann ist ebenso die Funktionalität (20%) ausschlaggebend. So wirst du mit einer Les Paul kaum Freude haben, wenn du ein Vibrato brauchst. Im besten Falle spricht dich die Gitarre auf ganzer Linie an. Meist jedoch musst du Abstriche machen. So kann es sein, dass deine E-Gitarre einen großartigen Sound besitzt, dir aber optisch nicht gefällt.


Das Fazit

Wer an E-Gitarren denkt, der hat zwei Namen im Kopf: Fender und Gibson. Selbst für Laien sind dies bekannte Marken, die den Markt fest im Griff haben. Was aber macht Les Paul und Stratocaster so beliebt?

Alles in allem kann gesagt werden, dass sie zu ihrer Zeit wichtige Meilensteine in der Gitarren-Technologie legten und sich dadurch etablieren konnten. Die Funktionsweise der E-Gitarre hat sich seit Anbeginn der Zeit kaum grundlegend geändert und ein Faible für Klassiker besitzt wohl jeder Gitarrist. ESP, Ibanez, Harley Benton und viele weitere Hersteller von Gitarren haben sich ganz eindeutig am Design von Fender und Gibson inspirieren lassen. Diverse Gitarren-Patente sind ebenfalls schon erloschen und so können sich die Produzenten voll und ganz aus dem Regal der Pioniere bedienen. Nichtsdestotrotz ist es kein Erfolgsgarant, wenn ein Modell den Namen Fender oder Gibson trägt.

Die technische Skizze des Patents von der Gibson Les Paul

Einige Flops haben die Geschichte der Großen begleitet. Das Angebot an E-Gitarren ist heutzutage wesentlich breiter gefächert. Kreative Korpusformen, wie Flying V oder Warlock werden mit neuartigen Klangbildern gepaart. Telecaster, Stratocaster und Les Paul bleiben dennoch Benchmark auf dem Gebiet.