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Es gibt unterschiedliche Ansätze bei Bands. Die einen wollen einfach nur rocken, die anderen Spaß haben, wieder andere mit erhobenem Zeigefinger die Welt verbessern oder aber einfach faszinierende Geschichten erzählen. Zu letzteren gehört die Frankfurter Band ASP, deren dreizehntes Album soeben erschien. Weitere interessante Rock-Storys gibt es hier zu lesen.

Start in der „schwarzen Szene“

Grundsätzlich ist die Musik von ASP schwer in eine Schublade zu stecken. Da dies aber allgemeinhin getan wird, allein schon um die „richtige“ Zielgruppe zu erreichen, geschah dies vonseiten der Medien auch hier. Gerade als neue Band, die noch nicht sonderlich viel Songs vorweisen kann, wird man in eine Richtung eingeordnet, der sie nach Meinung Außenstehender am ehesten zuzuordnen ist. Im Fall der 1999 gegründeten Formation ASP ist es zunächst die Gothic Musik, der sie zugeordnet werden, was die Band selbst keinesfalls so sieht. Das von Alexander „Asp“ Spreng gemeinsam mit Matthias Ambré ins Leben gerufene Projekt ist zunächst nie als echte Band angedacht. Spreng, der die Band nach seinem Spitznamen benennt, plant die musikalische Umsetzung einer von ihm entwickelten literarischen Figur, deren Name ebenfalls ASP ist. Musikalisch bewegt sich das Duo anfänglich im Bereich der elektronischen Musik, erweitert aber die Stilistik im Laufe der Jahre, auch weil ASP sich zu einer „richtigen“ Band entwickelt, die auch Liveauftritte absolviert, durch Rock- und Folkelemente. Von Beginn an gibt es Texte in deutscher wie auch in englischer Sprache. Außerdem unterliegen die Inhalte der Texte und die Ausrichtung der Musik sogenannten Zyklen, was bedeutet, dass auf mehreren Alben in Folge eine Thematik und Erzählung im Mittelpunkt stehen.

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Vier Zyklen bisher

Der erste Liederzyklus, der sich über fünf Alben zieht, wird als „Schmetterlings-Zyklus“ bezeichnet. Dieser handelt von einer Person, die mit inneren Stimmen kämpft. Es gibt die helle Seite, für die die Figur ASP steht und die Seite des dunklen Schmetterlings, der das Böse symbolisiert. Beide kämpfen gegeneinander, sind aber auch eng miteinander verwoben. Grundsätzlich ist die Geschichte aber so ausgelegt, dass sie viele Interpretationsmöglichkeiten bietet. Eine genaue Erläuterung dazu, wie es gemeint sein könne, gibt es vonseiten der Band keine, und setzt auf die individuellen Fantasien und Ideen der Hörer. Die Alben, die den „Schmetterlings-Zyklus“ behandeln, heißen „Hast Du mich vermisst?“, „:Duett“, „Weltunter“, „Aus der Tiefe“ und „Requiembryo“ und erscheinen von 2000 bis 2007. Beide zuletzt genannten beiden Alben platzieren sich jeweils in den Top 50 der deutschen Charts. Im Laufe der Jahre erspielt sich ASP eine wachsende Fanbase, da sie nicht nur Alben veröffentlichen, sondern auch immer mehr Konzerte spielen wie auf dem Wave Gothic Treffen in Leipzig oder als Tour-Support der Karlsruher Band Umbra Et Imago.

Der „Krabat Liederzyklus“ umfasst nur das im Jahr 2007 veröffentlichte Album „Zaubererbruder“ und handelt von der sorbischen „Krabat“-Sage. Musikalisch fließen neben Folk auch noch Elemente des Mittelalterrocks ein. Auf dem Album spielen eine große Anzahl an Gast-Musikern und als Gesangspartner sind Eric Fish von Subway To Sally und die einstige Faun-Sängerin Lisa Pawelke zu hören.

Der folgende Liederzyklus ist der „Fremder“-Zyklus. Dieser erstreckt sich zunächst über die beiden Alben „Fremd“aus dem Jahr 2011, das es in die deutschen Top-10 schafft und „Maskenhaft – Ein Versinken in elf Bildern“, das 2013 erscheint und mit Platz 2 die höchste Chartplatzierung der Band darstellt. In den Songs wird das sich fremd fühlen in der Welt und in sich thematisiert. Der Zyklus besteht zwar aus insgesamt fünf Alben, wird aber zunächst unterbrochen. Die von der Band selbst als „Zwischen“-Alben bezeichneten „Astoria“ und „Verfallen“ erscheinen 2015 und 2016 und stehen für sich allein ohne Bezug zum „Fremder“-Zyklus.

Video aus dem Album „Endlich!“

Das Finale des „Fremder“-Zyklus

Erst im Jahr 2017 setzt die Band ihren dritten Zyklus fort. Die Geschichte des Reisenden, der viele Welten und Realitäten besucht, wird auf „Zutiefst“ weiter erzählt. Darauf folgt dann zwei Jahre später „Kosmonautilus“, in dem die Erzählung weiter zuspitzt und der Protagonist sich in der Tiefsee und zwischen Seeungeheuern wähnt. Doch die Geschichte ist noch nicht auserzählt und so bringen ASP Ende November 2021 mit „Endlich!“ das finale Kapitel des „Fremder“-Zyklus auf den Weg zu den Fans. Wie auch bereits bei den Veröffentlichungen zuvor, bietet die Band nicht nur außergewöhnliche Musik, sondern einen hohen Mehrwert für Käufer von physikalischen Varianten des Albums.

Endlich!

Ein großer Vorteil, wenn eine Band über eine recht große Anhängerschaft verfügt ist, dass mehr Geld für Produktionen zur Verfügung steht und die musikalische Umsetzung aufwendiger und kreativer erfolgen kann. Das dreizehnte Album der Frankfurter erscheint als 3CD-Box, wobei es sich bei der dritten CD um Bonustracks handelt.

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Der Einstieg in das reguläre Werk erfolgt mit einem knapp dreiminütigen instrumentalen Intro namens „Bedenke gut“, das dann in „Was Du Dir wünscht“ übergeht, in dem sich kräftige Gitarren und typische Folk Rock-Instrumente treffen. „Echo“ weckt tatsächlich Erinnerung an den Sound von U2, während „Endlich“ hymnisch daherkommt. Beinahe schon marschierend erklingt „Ruine“, während „Widmung“ eher schleppend angelegt ist. „Raise Some Hell“ ertönt extrem druckvoll und erinnert ein wenig an die Neue Deutsche Härte, der ASP manchmal auch zugeordnet werden, bevor es sich zu einem lupenreinen Gothic Rock-Song wandelt. Auch „Seerosenblüten von einst“ ertönen hart und gleichzeitig melancholisch. Ergänzt werden die Songs auch durch gesprochene Textpassagen wie „Ausgewachsener Albdruck“, die das gesamte Konzept abrunden.


Fazit

„Endlich“ ist ein fulminanter Abschluss des „Fremder“-Zyklus und vereint dabei alle Elemente, von elektronischen Klängen und hartem Sound der Neuen Deutschen Härte über Gothic Rock und druckvollem Rock bis hin zu folkigen Anklängen, die seit 21 Jahren den Sound von ASP ausmachen. Besonders diese Vielfalt lässt das „Endlich“ bei jedem Hördurchgang wachsen und Hörer und Hörerinnen immer wieder neue Nuancen entdecken. Die Frankfurter Band bietet hier ein echtes musikalisches Meisterwerk kurz vor Ende des Jahres. Für alle, die ASP bisher nicht kannten, ist es nun an der Zeit, sich auch mit den früheren Werken zu beschäftigen.
Jürgen Will


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