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Jahresrückblick 2021 Teil 1 – Alben der Monate Januar bis Juni

Auch wenn das Jahr 2021 in vielen Bereichen nicht besser als das vorherige verlief, so konnte man sich als Rockfan wenigstens darauf verlassen, dass viele neue, interessante und teilweise überraschende Alben veröffentlicht wurden. Natürlich lässt sich aus der Vielzahl der erschienenen Alben hier nur ein kleiner, subjektiv ausgewählter Teil, erwähnen. Unser Jahresrückblick ist in zwei Teile unterteilt, der sich zunächst mit den Album-Veröffentlichungen in den Bereichen Rock, Hardrock und Heavy Metal des ersten halben Jahres und im zweiten Teil mit dem zweiten Halbjahr 2021 befasst. Vielleicht findet Ihr ja die eine oder anderer Anregung, Euch mit genannten Alben und Bands zu beschäftigen. Weitere interessante Rock-Storys und Musiknews über Rock findest du hier.

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Januar 2021 – Too Mean To Die

Im Gedächtnis bleiben meist die Alben, die in den letzten Wochen erschienen sind, weswegen der Rückblick an den Anfang des Jahres fast schon wie eine Betrachtung längst vergangener Musik anmutet. Beginnen wir mit Accept, deren sechzehntes Album „Too Mean To Die“ wieder hochwertigen und eindrucksvollen Heavy Metal in bester Tradition aufweist. Es ist das fünfte Werk mit „Neusänger“ Mark Tornillo, immerhin seit 2010 dabei, das mit „The Best Is Yet To Come“ gar, untypisch für die Band, eine Ballade enthält. Die britischen Hard Rocker von Magnum setzten auf eine besondere Kompilation früherer Songs namens „Dance Of The Black Tattoo“, das gerade auch Rockfans, denen bisher Magnum weniger bekannt sind, ideal als Einsteiger in den Sound der Band dienen kann.

Auch die Symphonic-Metaller von Edenbridge lieferten mit „The Chronicles Of Eden Pt II“ eine Zusammenstellung der besten Songs der letzten 13 Jahre zum zwanzigsten Bandjubiläum ab. Einige Jahrzehnte länger als die Karriere der Österreicher dauert die von Michael Schenker an. Er veröffentlichte ein weiteres Album („Immortal“) unter dem Banner MSG, bei dem er Unterstützung von diversen musikalischen Mitstreitern erhält. Interessant die Neuaufnahme des ersten von Michael Schenker komponierten und 1972 auf dem Debüt-Album der Scorpions veröffentlichten Songs „In Search For The Peace Of Mind“. Freunde des Glamrocks konnten sich an einem überraschenden neuen Album von Wig Wam („Never Say Die“) ebenso erfreuen, wie Anhänger des AOR, denen W.E.T. mit „Retransmission“ neues Futter lieferten.

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Februar – Omega

Auch der Februar liegt nun schon so weit zurück, dass so manche Veröffentlichung gar nicht mehr in der Erinnerung ist, obwohl man sich das Album eigentlich kaufen wollte. Da helfe ich gerne mit einigen Tipps nach. Zunächst wäre da mit „We Will Ride“ das vierte Album der britischen Rocker Inglorious, die damit ihren Ruf als überzeugende Rockband im Stile von Whitesnake, Deep Purple und Thunder erneut untermauern. Schock Rocker Alice Cooper muss niemanden mehr etwas beweisen, weswegen er mit „Detroit Stories“ seine Hochachtung und Verehrung seiner Heimatstadt und dessen Musikszene in Form von Coverversionen, ausschließlich von Musikern aus seiner Stadt, darbietet. Epica, die niederländischen Female-Fronted-Symphonic-Metaller lieferten indessen mit „Omega“ eines ihrer besten, druckvollsten und abwechslungsreichsten ihrer Karriere ab. Absolutes Muss für Genre-Fans.

Wo wir gerade bei starken Sängerinnen sind, sei auch noch „The Cult“ der polnischen Formation Crystal Viper erwähnt. Frontfrau Marta Gabriel und ihre Mitstreiter zelebrieren erneut besten Heavy Metal wie man es von ihnen gewohnt ist. Auch die Progressive Metaller um Tom Englund, Evergrey begeistern nicht nur ihre Fans mit „Escape Of The Phoenix“, das mit zu den besten Genre-Veröffentlichungen des Jahres 2021 gehört. Wenn wir gerade beim Prog sind, auch die All-Star-Kapelle Transatlantic hat nach sieben Jahren endlich etwas Neues auf den Markt gebracht und das gleich doppelt. Die beiden Alben hören auf die Namen „The Absolute Universe: Forevermore“ und „The Absolute Universe: The Breath Of Life“ und sind sowohl einzeln als auch als Doppel-CD erhältlich.

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März 2021 – All The Right Noises

Die Schlagzahl der Veröffentlichungen stieg im Frühjahr erneut an, nachdem traditionell der Januar der Monat mit den wenigsten Neuerscheinungen ist. Nicht nur etablierte Bands und Künstler sollen hier erwähnt werden, auch manch weniger bekannter Name oder gar Newcomer findet Einzug in den Rückblick. So wie die Schweizer Black Diamond, die mit „No-Tell Hotel“ ein sehr erwähnenswertes Hardrock-Album herausbrachten, das den Vergleich mit den großen Namen absolut nicht scheuen muss. Wem Hardrock etwas zu altbacken erklingt, der sollte sich unbedingt „Mojo Skyline“ von The Dust Coda anhören. Hier treffen sich traditionelle Rockelemente und moderne Sounds und vereinen sich zu einem zeitgemäßen Sound.

Traditionell ja, aber nicht altbacken, kommen Thunder auf „All The Right Noises“ rüber. Solide und ansprechend, wie man es von den Briten seit Jahrzehnten gewohnt ist, legen sie auf hohem Niveau nach. Schade, dass sie bis heute noch immer nicht den Stellenwert haben, den sie eigentlich verdient hätten. Die Schweden von The Quill liefern seit vielen Jahren eine Mixtur aus Grunge, Stoner Rock, Alternative Rock und Hardrock ab und bewegen sich auch auf „Earthrise“ sehr hörbar in diesen Sphären. Ronnie Atkins, Sänger der dänischen Band Pretty Maids, der unheilbar an Krebs erkrankt ist, brachte mit „One Shot“ sein erstes Solo-Album heraus. Freunde der melodiösen Rockmusik kommen hier voll auf ihre Kosten. Erwähnen will ich noch „Symmetry“ von Saga, die einige ältere, meist unbekannte Songs, in komplett neuen Varianten mit besonderer Instrumentierung eingespielt haben. Ein sehr gelungenes Experiment. Wem das alles zu sanft erscheint, der sollte ein Ohr bei Orden Ogans „Final Days“ riskieren. Die Sauerländer intonieren knallharten, dabei aber melodischen Heavy Metal der besonderen Art.

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April 2021The Battle At Garden’s Gate

Der April bot nicht ganz so viel musikalische Abwechslung wie der März, aber dennoch einige erwähnenswerte Veröffentlichungen. Da wären auf jeden Fall Greta Van Fleet zu nennen, die mit „The Battle At Garden’s Gate“ das lange erwartete zweite Album herausbrachten. Ursprünglich als Led Zeppelin-Klon gebrandmarkt, zeigen sie, dass sie doch eigenständig sind und befreiten sich von dem ursprünglich selbst gewählten musikalischen Korsett. Auch Cheap Trick überraschten mit einem neuen Output namens „In Another World“ und zeigen, dass sie ihren, nicht wirklich in eine Schublade passenden Rock, noch immer mit vollem Einsatz zelebrieren. Tausendsassa John Kilberg brachte im April unter dem Label Impera „Spirit Of Alchemy“ auf den Markt. Er wird von vielen bekannten Musikern wie Bassist John Levén, bekannt von Europe sowie Nocturnal Rites-Sänger Jonny Lindkvist bei seinem Melodic Rock-Album unterstützt.

Ex-Guns N’ Roses Musiker Gilby Clarke fand nach 15 Jahren nun endlich Zeit mit „The Gospel Truth“ ein neues Solowerk unter das Volk zu bringen. Hier rockt es schmutzig und auch mal bluesig. Unterstützung erfährt Clarke u. a. durch Mötley Crües Nikki Sixx. Ebenfalls rotzig und leicht punking erklingt „Hellbreaker“ von Motor Jesus. Doch auch die Fans von Heavy Metal wurden im April mit neuem Stoff versorgt. Hervorzuheben ist dabei „End Of Paradise“ von Witchbound, das durch den dualen Gesang von Sängerin Natalie Pereira Dos Santos und Gegenpart Tobias Schwenk besondere Akzente zu setzen weiß.

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Mai 2021The Witch Of The North

Im Wonnemonat gab es dann auch wieder interessante Veröffentlichungen quer durch die Genres. Frauenpower pur gab es mit „The Witch Of The North“ von Burning Witches. Die Schweizer „Hexen“ bieten auf ihrem vierten Langspieler erneut eine tolle Mixtur aus Metal und Hard Rocklängen. Auch den härteren Klängen verschrieben hat sich die neue Formation Hellryder, auf deren Debütalbum „The Devil Is A Gambler“ es mächtig metallisch zur Sache geht. Kein Wunder, sind doch Grave Digger-Mastermind Chris Bolthendal und Bandkollege Axel Ritt zuständig. Auch die schwedischen Power-Metaller von Bloodbound haben wieder zugeschlagen und nehmen auf „Creatures Of Dark Realms“ keine Gefangenen.

Sollte das für Eure Ohren zu heftig ausfallen, dann empfehle ich zunächst „Standing On The Edge“, das neue Studiowerk von Robin McAuley, dem einstigen Sänger der McAuley Schenker Group, der hier erstklassigen Melodic Rock bietet. Auch Mark Spiro, der in seiner Karriere mehr als 100 Millionen Alben, zwar nicht unter seinem Namen, aber als Komponist für Heart, Bad English, Cheap Trick, Rick Springfield oder auch Julian Lennon, verkauft hat, präsentiert eine sehr interessante Werkschau namens „Travelling Cowboys“ für Freunde des melodiösen Rocks. Und auch zwei weitere weltbekannte Musiker, nämlich Tracii Guns, einst bei Gins N’ Roses und Michael Sweet, Frontmann der christlichen Metaller Stryper, haben sich zusammengetan und unter dem Namen Sun Bomb das knallende „Evil And Divine“ veröffentlicht. Wer Rockmusik abseits der eingefahrenen Linien hören möchte, der sollte sich „The Promise Of A Life“ von Reach zuwenden. Am ehesten mit A.C.T. und Cheap Trick zu vergleichen, bieten hochwertige und abwechslungsreiche Rock-Kost für den Genießer.

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Juni 2021Helloween

Das wichtigste Album des ersten halben Jahres ist natürlich „Helloween“ von der gleichnamigen Hamburger Band. Nach der Reunion mit ex-Mitstreitern und Bandgründern Michael Kiske und Kai Hansen musizieren die Kürbisköpfe mit insgesamt sieben Musikern, dabei drei Gitarristen und zwei Sängern. Lange wurde das Werk herbeigesehnt und es ist nicht verwunderlich, dass dieses großartige Stück Power Metal weltweit die Pole Position erreichte. Wer es bisher noch nicht gehört hat, sollte es dringend nachholen. Doch natürlich erblickten auch noch weitere Werke das Licht der CD-Regale, wie auch von Hammer King, die mit „Hammer King“ musikalisch in eine ähnliche Kerbe wie Helloween schlagen und dabei ein wirklich gutes Werk ablieferten. Wem das alles noch nicht hart und heftig genug ist, der findet sicherlich Freude an „Blood In The Water“ von den Thrash-Ikonen Flotsam & Jetsam.

Doch auch abseits des Power Metals gab es einige sehr interessante Veröffentlichungen, wie von Ex-Styx Sänger Dennis DeYoung, der mit „26 East Vol. II“ den Nachfolger des 2020 erschienenen ersten Teils nachlegte und erneut mehr wie Styx zu ihren Hochzeiten klingt, als die Band selbst in den letzten Jahren. Doch Styx liefern ebenfalls im Juni mit „Crash Of The Crown“ ein großartiges Album im klassischen Stil ab. Für Fans also eine doppelte Bedienung. Aber auch Freunde des gepflegten und absolut nicht antiquierten Hardrocks bekommen mit Fargos „Strangers D’Amour“ ein gelungenes neues Werk auf die Ohren. Wer es eher A Capella mag, der sollte unbedingt ins neue Van Canto Opus „To The Power Of Eight“ reinhören, um so zu einem besonderen Hörerlebnis zu kommen.


Fazit

Bis zur Mitte des Jahres erschienen durchaus einige empfehlenswerte Alben, wobei es hier nur ein Anriss sein kann. Den Neuerscheinungen der Monate Juli bis Dezember findet Ihr dann im zweiten Teil des Jahresrückblicks. Welche dürfen dort eurer Meinung nicht fehlen?

Was waren deine Lieblingsalben in den Genres? Schreib es in die Kommentare.

Was war dein Lieblingsalbum aus dem Jahr 2022?

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