Es ist schon erstaunlich, wie viele „alte“ Bands die Musikfans aktuell mit neuen Studio-Alben beglücken. Gerade aus den 80er-Jahren scheinen sich eine große Anzahl Musiker motiviert zu fühlen, noch mal zu zeigen, dass sie es noch drauf haben. Am 22. Oktober erscheint mit „Future Past“ das fünfzehnte Studio-Werk der Pop-Rocker von Duran Duran. Weitere interessante Storys und Musiknews zu Rock, findest Du hier.

Von Nachtclubangestellten zur Band

John Taylor und Nick Rhodes gründen Duran Duran 1978 in Birmingham, England, wo sie die Stammband im „Rum Runner“-Nachtclub der Stadt werden. Sie jobben in dem Club, John als Türsteher und Nick als DJ für 10 Pfund pro Abend. Sie beginnen dort zu proben und spielen regelmäßig in diesem Nachtlokal. In der Nähe gibt es viele Nachtclubs, in denen Bands wie die Sex Pistols und The Clash auftreten. Einer der wichtigsten Clubs ist das „Barbarella’s“. Also beschließt die Band sich nach „Dr. Durand Durand“, der Figur von Milo O’Shea aus dem Science-Fiction-Film „Barbarella“ zu benennen. Sie verzichten aber dabei auf den Dr. und die beiden „d“ am Ende. Doch es ziehen noch weitere zwei Jahre ins Land, bis man eine einigermaßen gefestigte Besetzung zusammen hat. Sie setzt sich aus Sänger Simon LeBon, Bassist John Taylor, Gitarrist Andy Taylor, Keyboarder Nick Rhodes und Schlagzeuger Roger Taylor (nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Drummer von Queen) zusammen. Interessanter Fakt am Rande: die drei Taylors sind nicht miteinander verwandt oder verschwägert. Durch ihre Auftritte als Supportband von Hazel O’Connor, die zu der Zeit mit „Breaking Glass“ ein Top-Five Album in Großbritannien hat, werden zwei Plattenfirmen auf die Band aufmerksam. Die Band entscheidet sich für EMI, da es das Label ist, auf dem die Beatles waren, die von den Bandmitgliedern bewundert werden.

Future Past
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Modisch aufgestellt und „Sex sells“

Bereits von Beginn ihrer Karriere an haben alle Mitglieder einen ausgeprägten Sinn für einen besonderen visuellen Stil. Sie arbeiten mit dem Stylisten Perry Haines und Modedesignern wie Kahn & Bell sowie Antony Price zusammen, um sich ein gepflegtes und elegantes Image zu geben. Während ihrer gesamten Karriere präsentieren sie die Mode immer wieder als Teil ihres Konzepts. In den 90er-Jahren arbeiten sie mit Vivienne Westwood und in den 2000er-Jahren mit Giorgio Armani zusammen. Die Band behält auch immer die kreative Kontrolle über ihre visuelle Präsentation wie Albumcover, Tourprogramme, Musikvideos und Bühnenaufbau. Es ist nicht verwunderlich, dass sich Duran Duran zunächst in England, später dann auch im Rest der Welt und besonders in Deutschland zu Teenie-Helden entwickeln.

Dieses Image wird ihrer Musik aber nicht unbedingt gerecht, denn sie liefern viele großartige Kompositionen abseits dieser Zielgruppe ab. Das erste Album der Band, „Duran Duran“, wird 1981 veröffentlicht. Die erste Single, „Planet Earth“, erreicht im Vereinigten Königreich die Top 20 auf Platz 12. Mit der dritten Single, „Girls on Film“, erregen sie jedoch große Aufmerksamkeit und platzieren sich auf Platz 5 der britischen Charts. Das Video dazu, in dem Frauen Oben-ohne Schlammcatchen, Kissenschlachten und stilisierte Darstellungen anderer sexueller Fetische zu sehen sind, wird mit dem Regisseur-Duo Godley & Creme gedreht (die später mit „Cry“ selbst einen weltweiten Hit landen werden). Die Band erwartet, dass der Videoclip in den neueren Nachtclubs, die über Videoleinwände verfügen oder auf Pay-TV-Kanälen wie dem Playboy Channel gespielt werden würde. Das Management der Band verfolgt damit einen klaren Plan: Aufmerksamkeit erregen und so die Band bekannter machen. Dieser Plan geht auf und das Album erreicht Platz 3 der britischen Charts.

Hier ein Eindruck von der Single „Invisible

Durchbruch, MTV-Bann und James Bond

Ein Jahr später folgt mit „Rio“ das zweite Album, auf dem sich vier Singles befinden, die es in die Top 20 der englischen Charts schaffen. Darunter auch der heutige Klassiker „Hungry Like A Wolf“. Das Album erreicht in England Platz 2, in den USA Platz 6 und wird zum Platinseller. In Deutschland allerdings wartet die Band noch auf den großen Erfolg. Dieser stellt sich dann 1984 mit der Single „The Reflex“ aus dem dritten Album „Seven And The Ragged Tiger“ ein, die Platz 8 der deutschen Single-Charts erreicht. Der Erfolg der Band setzt sich weiter fort und mit „Wild Boys“ sorgen sie erneut mit einem Musikvideo für Aufsehen. Nicht nur, dass die Produktion dafür die unglaubliche Summe von einer Million britischer Pfund verschlingt, es wird von MTV auf das Spätprogramm verbannt, da es als zu brutal gilt. Der ganze Aufbau hat etwas von „Mad Max“, dem Endzeitfilm, der zu der Zeit ein Blockbuster ist.

„Wild Boys“ wird trotzdem bei den Brit Award zum Video des Jahres 1985 gekürt. Der weiterhin anhaltende Erfolg sorgt für eine Pause in der Band, während der sich Andy Taylor und John Taylor mit Power Station, gemeinsam mit Robert Palmer und Tony Thompson, der härteren Rockmusik widmen. Simon LeBon und Nick Rhodes hingegen engagieren sich in ihrem Projekt Arcadia. Der Spirit von Duran Duran scheint verloren, denn es folgt eine letzte Single in Originalbesetzung: „A View To A Kill“. Die Titelmelodie des gleichnamigen „James Bond“-Films wird der letzte weltweite Hit der Formation. Es folgen verschiedene Besetzungen, 2003 finden sich gar vorübergehend alle fünf Mitglieder wieder zusammen, doch es hat nicht lange bestand. Nur Keyboarder Nick Rhodes ist bis heute einzig verbliebenes Originalmitglied und auf allen fünfzehn Alben zu hören.

Future Past

Nachdem Duran Duran die letzten 25 Jahre experimentiert haben, sich von ihren Wurzeln trennen wollten, dann teilweise wieder zurück zu ihnen gefunden haben, ist „Future Past“ nun das logische Ergebnis. Denn das Quartett, ohne Andy Taylor, liefert endlich ein weiteres hochwertiges Album ab. Wie schon sooft zuvor, schafften sie es auch diesmal mit einem besonderen Video im Vorfeld Aufmerksamkeit zu erregen. Der Clip zum Opener „Invisible“ entstand komplett aus Bildern, die eine künstliche Intelligenz namens Huxley aus ihren „Träumen“ generiert hat. Doch die Band definiert sich 2021 nicht nur über ein besonderes Video, sondern auch über Musik, die dem Albumtitel absolut gerecht wird.

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So sind in „Anniversary“ Textfragmente aus älteren Stücken eingebaut und der Song klingt wie eine Fusion aus Tubeway Armys „Are Friends Electric“ mit „Wild Boys“ und „Girls On Film“. Sie schaffen es hier ganz klar ihre Vergangenheit in eine neue Nummer zu verwandeln. Die musikalische Ausrichtung lässt sich mit der ihrer großen Erfolge der 80er-Jahre zuordnen („All Of You“, „Beautiful Lies“, „Future Past“). Der markante Keyboardsound und LeBons einzigartiger Gesang wecken positive Erinnerungen an die Vergangenheit. Doch auch in die Zukunft gerichtet gibt sich die Band mit Songs wie „Hammerhead“, bei der sie Unterstützung durch die Rapperin Ivorian Doll erhalten. Aber, auch dieser Song ist durch und durch Duran Duran. Ebenso „More Joy“ bei dem sie mit der japanischen Frauenband Chai kooperieren.


Fazit

Duran Duran erschaffen 36 Jahre nach ihrem letzten großen Erfolg ein Album, das frisch klingt, aber gleichzeitig die Wurzeln nicht verleugnet. Sie erlauben sich Experimente, die eindeutig gelingen, erinnern aber andererseits auch an ihre Hochzeiten. Ein Album, das durchweg überzeugen kann und zumindest die letzten Alben seit Ende der 90er-Jahre in den Schatten stellt.

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