Wenn man zurückblickt, um Bands zu finden, die in der deutschen Metal-Szene „schon immer da sind“, dann kommt man an Rage nicht vorbei. Die ursprünglich aus Herne stammende Formation um Bassist und Sänger Peavy Wagner ist seit 1985 ununterbrochen aktiv und veröffentlicht nun ihr 26. Album: „Resurrection Day“.

Laut, hart und dennoch melodiös

Von den Urmitgliedern der unter dem Namen Avengers gegründeten Metalband ist einzig Peter „Peavy“ Wagner heute noch dabei. Er hält seine Band auch bei zeitweisem Schlingern seit 1986 unter dem Namen Rage auf Kurs, auch wenn sie seinerzeit eigentlich von Avengers in Furious Rage umbenannt wird. Das „Furious“ wird vonseiten der Plattenfirma gestrichen und fortan prangt auf den Veröffentlichungen das Rage-Logo. Die musikalische Ausrichtung ist zunächst brachial und kompromisslos harter Heavy Metal, der ideal in die damalige Zeit passt. Alsbald gelingt es der Formation nicht nur in Deutschland und angrenzenden Ländern erfolgreich zu sein, sondern auch in Japan begeistern sie mit ihrem Metalsound.

Resurrection Day

Klassische Elemente, Line-Up Wechsel und neuer Sound

Wagner ist in seinen musikalischen Vorstellungen nicht eingefahren, benutzt hin und wieder klassische Elemente in seinen Kompositionen, weswegen es nicht verwundert, dass er sich auf eine Zusammenarbeit mit dem Prager Symphonieorchester einlässt. Das daraus resultierende Werk wird „Lingua Mortis“ benannt und später gar Namensgeber für das Lingua Mortis Orchestra werden. Doch zuvor heißt es einen Besetzungswechsel zu kompensieren, der 1999 ansteht. Quasi über Nacht steht Wagner ohne Musiker da, die sich entscheiden, die Band Sub7even ins Leben zu rufen und später mit „Weather Man“ gar einen kleinen Hit haben. Doch Wagner lässt sich davon nicht unterkriegen und heuert Schlagzeuger Mike Terrana, der bereits mit den Gitarrenvirtuosen Yngwie Malmsteen und Tony MacAlpine gespielt hat, für seine Dreierformation an. Als Gitarrist wird der russische Gitarrist Victor Smolski ins Boot geholt, der bis 2015 bei Rage bleiben wird und dann seine eigene Band Almanac gründet. Wenn ihr wissen wollt wie sich das ganze Live anhört, könnt ihr euch hier über die Rage Tour 2021/2022 informieren.

Hier ein Eindruck von „Monetary Gods“

Orchesterprojekt und Rückbesinnung auf den Ursprungssound

Die neuen Alben tragen hörbar die Handschrift von Victor Smolski, dessen Vater Dmitri Smolski in Russland ein bekannter Komponist ist. Zwar bleibt die gewohnte Härte nicht außen vor, aber die Verwendung klassischer Einflüsse nimmt zu. Im Jahr 2013 erscheint das Album „LMO“ unter dem Namen Lingua Mortis Ochestra featuring Rage. Für den darauf befindlichen dreiteiligen Song „Cleansed by Fire“, der auf einer wahren Begebenheit von Hexenverbrennung beruht, dreht die Band ihr aufwändigstes Video überhaupt. Schauplatz ist die hessische Stadt Gelnhausen, in der rund eine Woche mit Schauspielern und vielen Statisten die Geschichte in ausufernden Bildern und Szenen erzählt wird. Die finale „Hexenverbrennung“ findet auf dem extra auf dem Marktplatz aufgetürmten Scheiterhaufen statt.

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Doch es scheint, als wäre Wagner nicht völlig von der neuen Stilistik überzeugt. Smolski und der 2006 für Mike Terrana in die Band gekommene André Hilgers, verlassen Rage im Jahr 2015. Fortan führt er die Band zunächst mit dem Gitarristen und absoluten Fan der Band Marcos Rodriguez und Schlagzeuger Vassilios „Lucky“ Maniatopoulos fort. Der Sound wird wieder härter und geht zurück zu den Wurzeln der Band. 2020 steigt Rodriguez aus privaten Gründen aus der Band aus und seither ersetzen ihn die beiden Gitarristen Stefan Weber (ex-Axxis) und der Neuling Jean Bormann. In dieser Besetzung erscheint am 17. September 2021 das neue Studioalbum.

Resurrection Day

Ganz ohne klassische Einflüsse geht es bei Rage auch im Jahr 2021 nicht, entsprechend ertönt das Intro „Meneto Vitae Overture“ als orchestrales Instrumentalstück. Doch kaum verklungen, werden musikalisch keine Gefangenen mehr gemacht. Das Titelstück ertönt gewohnt hart, aber dennoch melodiös. Auch der Refrain bohrt sich sofort ins Ohr und dürfte ideal zum Grölen bei Live-Shows geeignet sein. „Virginity“ legt noch mächtig an Fahrt zu und donnert explosiv aus den Boxen. Der folgende Doppel-Bass-Kracher wird zunächst mit einem harten Gitarrenpart eingeleitet, bevor der an Kraft zulegt. Peavys Gesangsstimme erklingt in Bestform und gibt den Kompositionen ihren ureigenen Touch, wie die Fans es lieben. Auch „Arrogance And Ignorance“ und die aktuelle Videoauskopplung „Monetary Gods“ schlagen in die harte Kerbe. Es gibt aber auch eine Verschnaufpause, denn „Man In Chains“ kommt mit einem getragenen Gitarrenintro daher. Klar, dass es keine Ballade sein würde, denn schnell gibt es wieder mächtig Dampf auf dem Kessel. Während sich die weiteren Stücke in gewohnter Art und Weise überzeugend in die Ohren der Hörer ergießen, bildet „Black Room“ dann doch noch eine Ausnahme, da es sehr getragen und annähernd balladesk über seine gesamte Spielzeit daherkommt. Abschließend gibt es mit „Extinction Overkill“ eine letzte Vollbedienung.


Fazit

Rage sind Rage sind Rage und das wird und soll sich nicht ändern. Die Kombination aus harten Sounds, gepaart mit Peavys markanter Stimme, Luckys druckvollem Schlagzeugspiel, sowie den Gitarrenduellen von Stefan und Jean ergeben den aktuellen Rage-Sound. Ein wenig Nostalgie aber nie gestrig, sondern zeitgemäß im aktuellen Heavy Metal verwurzelt, liefert das Quartett hochwertig ab.

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