Es gibt viele gute Metalbands in Deutschland wie zum Beispiel Accept, Blind Guardian, Rage und Helloween, die auch außerhalb der Szene bekannt sind. Dann wieder gibt es Kultbands, deren Anhängerschaft groß ist, aber die außerhalb der Metalszene nicht übermäßig bekannt sind. Eine dieser Bands ist Running Wild, die bereits seit Ende der 1970er-Jahre rocken. Mit „Blood On Blood“ erscheint am 29. Oktober 2021 das siebzehnte Studioalbum. Weitere interessante Storys und Musiknews zu Metalthemen findest Du hier.

Vom Okkulten zum Piraten Metal

Die ersten Gehversuche macht die Band bereits 1976, damals aber noch unter dem Namen Granite Hearts. Gründungsmitglied Rolf „Rock’n’Rolf“ Kasparek ist bis heute einziges verbliebenes Originalmitglied der 1978 in Running Wild umbenannten Formation und seit jeher treibende Kraft. Die Band probiert sich musikalisch und textlich aus und ihr Maskottchen „Adrian“ ist durch den Film „Rosemaries Baby“ inspiriert. Nach dem ersten Demoband 1981 steuern sie regelmäßig zu unterschiedlichen Samplern Songs bei. So wächst ihre Fan-Schar und 1984 erscheint das erste Album „Gates To Purgatory“ bei Noise Records auf dem später dann auch Helloween ihre Alben veröffentlichen. Running Wild spielen in ihren Texten gerne mit satanischen und okkulten Themen, sodass sie nicht nur dem Black Metal zugeordnet werden, sondern gar als Satanisten klassifiziert sind. Die Beschäftigung mit diesem Themenbereich geschieht nicht aus Überzeugung und Verehrung des Satans, sondern eher als sachliche Auseinandersetzung mit diesem Themenbereich.

Die Texte des zweiten Albums „Branded And Exiled“ spielen zwar weiterhin damit, bringen aber klarer zum Ausdruck, dass Kasparek und seine Band nicht dem Teufel huldigen. Letztlich findet der Imagewechsel aber 1987 bei „Under The Jolly Roger“ statt. Das Cover wird von einem Piratenschiff dominiert und das Album mit Wellenklängen, Kanonenschüssen und dem Ruf „Ahoi“ eröffnet. Running Wild sind damit Mitbegründer eines neuen Sub-Genres, das später als Piraten Metal bezeichnet wird. Die Fans nehmen es begeistert auf, die Fachpresse urteilt aber, es wäre ein Reinfall. Heute ist das Album ein Klassiker und gehört in jede Metal-Sammlung.

Running Wild
Running Wild – Neues Album der Metal-Piraten

Historische Themen und Besetzungswechsel

Auch wenn der Eindruck entsteht, so geht es bei „Under The Jolly Roger“ nicht ausschließlich um Piraten-Thematiken, sondern um Inhalte, die historisch geprägt sind. Dies setzt die Band auch auf den nächsten Alben konsequent um. Zum vierten Werk „Port Royal“ ersetzen Stefan Schwarzmann (u. a. Accept) und Jens Becker (heute bei Grave Digger) den bisherigen Drummer Hasche Hagemann und Bassist Stephan Boriss. Einzig Gitarrist Michael „Majk Moti“ Kupper, der seit 1983 dabei ist, bleibt noch für dieses Album dabei. Die Zahl der Anhänger wächst stetig, die Konzerte führen nun auch ins Ausland und die Hallen werden größer. Running Wilds Erfolg wächst weiter.

Zum sechsten Album „Death Or Glory“ 1989, das Platz 45 der deutschen Albumcharts erreicht, dreht sich nicht zum letzten Mal das Personalkarussell. Stefan Schwarzmann steigt aus, kehrt aber 1992 für ein weiteres Album („Pile Of Skulls“) zurück. Auch Gitarrist Michael Kupper verlässt die Band. Die Besetzung ändert sich im Laufe der Jahre immer wieder. Mal hält ein Line-up nur kurze Zeit, dann wieder über einen längeren Zeitraum. Es gibt bis heute nur drei Konstanten in der Band: Rolf Kasparek als Texter und Komponist beinahe aller Songs, der klar erkennbare musikalische Stil und die Thematiken der Texte. Alles andere ist im Wandel und 2009 wird Running Wild sogar aufgelöst. Zuvor kristallisiert sich aber heraus, dass es sich bei der Band eigentlich nur noch um das Solo-Projekt von Rock’n’Rolf handelt. Er gibt die Marschrichtung vor, prägt mit seiner Stimme und seinen Kompositionen die musikalische Ausrichtung und ist auch sonst das Aushängeschild.

Hier ein Eindruck von „The Shellback“

Wiederbelebung der Band und der Weg bis heute

Natürlich habe ich hier nicht den Anspruch haarklein die Geschichte einer Band, ihrer Personalien und aller Veröffentlichungen wiederzugeben, sondern reiße in den wenigen Zeilen einige markante Punkte und Eigenschaften an, um auch Nicht-Fans eine Band näherzubringen. Deshalb springe ich nun also ins Jahr 2011, in dem Kasparek beschließt nun doch unter dem Banner Running Wild weiter zu musizieren. Noch 2009 beim Abschiedskonzert in Wacken sieht es so aus, als wäre die Band nun Geschichte. Umso überraschter reagieren die Fans, als Kasparek 2011 ein neues Album für das folgende Jahr ankündigt.

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Das Comeback-Album „Shadowmaker“ markiert dann mit Platz 12 der Albumcharts die bisher höchste Positionierung der Band. Wie auch bei manchem vorherigen Album üblich, scheiden sich die Geister an dem Werk und besonders Journalisten führender Printmagazine lassen kein gutes Haar daran. Fans hingegen nehmen das Album dankbar an, was ja auch die Chartspositionierung klar aufzeigt. Der Erfolg beflügelt Rock’n’Rolf und schon 2013 legt er mit „Resilent“ ein weiteres Album nach. Die von der Comedy-Metaltruppe J.B.O. geprägte Floskel „Running Wild spielen Running Wild“ trifft erneut zu, denn die Band gibt den Fans genau das, was sie erwarten: Running Wild. Sie versuchen sich nicht in Experimenten, wollen keine neuen Wege gehen, sondern wissen, wo ihre Kernkompetenz liegt. Diese zeigen sie überragend 2016 mit „Rapid Foray“, das sie auf Platz 2 der deutschen Albumcharts katapultieren. Fans und Kritiker zeigen sich gleichermaßen begeistert.

Blood On Blood

Seitdem sind fünf Jahre ins Land gegangen, was im schnelllebigen Musikgeschäft eine lange Zeit ist. Doch wenn eine Band wie Running Wild so viel Zeit zwischen zwei Alben verstreichen lassen, bedeutet das nicht, dass die Fans sie vergessen. Eher das Gegenteil tritt ein und die Fans fiebern auf die neue Veröffentlichung. Eröffnet wird „Blood On Blood“ mit dem Titeltrack, der gleich klarstellt, wie die Band klingen will: wie Running Wild eben. Harte Riffs, eingängiger Gesang und Mitsing-Refrains. Das folgende „Wings Of Fire“ hat ein wenig Saxon im Gepäck, auch Kaspareks Gesang erinnert an den von Biff Byford, was aber nichts Schlechtes ist. „Diamonds & Pearls“ mit treibenden Drums begeistert sofort und das führende Gitarrenthema frisst sich ins Ohr. „Wild And Free“ rockt gefällig und „Crossing The Blades“ startet mit einem gefühlvollen Gitarren-Intro, bevor es dann das Tempo aufnimmt und sich zu einem großartigen, im besten Sinne typischen Running Wild-Song steigert.

Die Bierhumpen und Rumflaschen werden zu „One Night One Day“ erhoben, das in bester Schunkelmanier erklingt. Man sieht förmlich die Crew eines Piratenschiffs am derben hölzernen Eichentisch sitzen und gemeinsam Hochprozentiges zu sich nehmen, während Kasparek den Soundtrack dazu spielt. Doch dann werden die Segel gesetzt, der Wind genutzt und „The Shellback“ bringt die Schaluppe nach einem sanften Gitarrenspiel hart an den Wind. Dem steht „Wild Wild Nights“ mit seinem treibenden Gitarrenriff in Nichts nach. Das Beste kommt zum Schluss, denn mit dem Zehnminüter „The Iron Times 1618 – 1648“ beschließt Rock’n’Rolf „Blood On Blood“ mit einer bombastischen finalen musikalischen Erzählung voller Höhen und Tiefen.


Fazit

Keiner erwartet von AC/DC, dass sie anders klingen, als auf den Alben zuvor. Ebenso erwartet kein Fan, dass Running Wild nicht so erklingen, wie sie es im großen Ganzen seit 1987 tun. Der Fan bekommt genau das, was er hören möchte und wie gewohnt wissen die Kompostionen zu überzeugen und sind Running Wild oder besser gesagt Rolf Kasparek pur. Nicht mehr, aber definitiv auch nicht weniger und das ist gut so.


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