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Halestorm – Album Nummer 5 erschienen

Es gibt Bands, die, ähnlich wie ein guter Wein oder ein Whisky, eine gewisse Reifezeit benötigen, bis sie dann förmlich explodieren und viele Musikinteressierte mitreißen. Eine dieser Formationen sind Halestorm, die mit »Back From The Dead« nun ihr explosives fünftes Album abgeliefert haben. Weitere interessante Metal-Storys gibt es hier zu lesen.

InterpretHalestorm
AlbumBack From The Dead
Veröffentlichung06.05.2022
GenreAlternative, Metal, Post Grunge
LabelAtlantic / Warner
Tracks11
Bewertung der Redaktion10/10
Spieldauer37:13 Min

Familie Hale macht Musik

Die Geschwister Arejay und Elizabeth „Lzzy“ Hale schreiben und spielen seit 1997, als sie 10 respektive 13 Jahre alt sind, aktiv eigene Musik. Bereits im Alter von fünf Jahren begannen Arejay und Lzzy mit dem Klavierunterricht, wobei Lzzy später das Keyboard und Arejay das Schlagzeug übernimmt. Lzzy nimmt im Alter von 16 Jahren zusätzlich noch Gitarrenunterricht. Im selben Jahr nehmen sie ihre erste EP auf. Die sechs Songs auf »Forecast The Future« lassen noch nicht erahnen, dass Halestorm eines Tages Headliner auf großen Festivals und Grammy ausgezeichnet sein werden.

Es klingt, wie die Musik zweier Anfänger in dem Alter eben klingt: harmlos und einfach. Lzzys Stimme hat zudem noch nicht den Ausdruck, den sie später haben wird und erinnert eher an den Gesang in einer kirchlichen Jugendgruppe. Merklich weiter entwickelt ertönt dann die Musik auf der zweiten EP »(Don’t Mess With The) Time Man«, die 1999 erscheint.

Erster Plattenvertrag

Am Bass begleitet werden die Geschwister zunächst von ihrem Vater Roger Hale. Interessant ist die Veränderung von Lzzys Stimme, die sie nun schon vielseitiger und abwechslungsreicher einsetzt. Doch es dauert noch bis 2005, bis es einen ersten Plattenvertrag gibt. Zwischenzeitlich hat Vater Hale seinen Posten an Josh Smith abgetreten und Gitarrist Joe Hottinger ist zu Halestorm dazugestoßen.

Als erste Veröffentlichung erscheint eine Live EP, auf der eine komplett veränderte Musik, verglichen mit den Anfängen, zu hören ist. Harter Rock, im Alternative-Stil, eine wandlungsfähige Gesangsstimme und abwechslungsreiche Kompositionen sind auf »One And Done« zu hören. Kaum zu glauben, wie sich die Geschwister innerhalb von acht Jahren entwickelt haben. Die Band arbeitet weiter an sich und ihren Songs, spielt viele Shows und erspielt sich so einen guten Namen bei der immer weiter wachsenden Fangemeinde.

Grammy-Auszeichnung

Im Jahr 2009 erscheint das selbst betitelte Debütalbum. Die beiden ausgekoppelten Singles erreichen die Top Ten der amerikanischen Rockcharts. Der Grundstein für den Erfolg ist gelegt. Es folgen weltweite Tourneen, die die Band auch nach Deutschland führen. Im Jahr 2012 folgt »The Strange Case«, das mit Gold ausgezeichnet wird. Der Titel ‚Love Bites (So Do I)‘ wird 2013 mit dem Grammy für die beste Rock/Metal-Performance ausgezeichnet. Spätestens jetzt hat die Band den oberen Bereich der Karriereleiter erreicht.

Weitere Alben folgen in den Jahren 2015 (»Into The Wild Life«) sowie das großartige »Vicious« im Jahr 2017. Parallel dazu wächst der Erfolg, die Bühnen werden immer größer und Halestorm hat sich einen Platz in der oberen Rock-Liga erobert. Diese Position untermauern sie nachdrücklich mit »Back From The Dead«, das dieser Tage erschienen ist.

»Back From The Dead« – Review der einzelnen Songs

Welch ein Brett, das Halestorm hier mit ihrem fünften Studioalbum abliefern. Pure Energie, transformiert in elf kraftvolle Kompositionen, die ihresgleichen suchen. Aktuell gibt es kaum eine Band, die so druckvoll und mächtig daherkommt. Dazu die außergewöhnliche Stimme von Frontfrau Elizabeth „Lzzy“ Hale, die das Talent besitzt, jeden Song gesanglich dermaßen zu veredeln, dass es unmöglich scheint, das noch besser und passender zu machen. Als Opener wählt das Quartett aus Pennsylvania den Titeltrack, der sofort klar erkennen lässt, dass Halestorm auch anno 2022 nicht gewillt sind, Energie zu sparen, was ihre Songs betrifft. Lzzy ist die Powerfrau, die keine Widerrede zulässt und dies in ‘Wicked Ways’ klar zum Ausdruck bringt.

Fordernd kommt sie in ‘Strange Girl’ daher, das vom Aufbau an ‘Do Not Disturb’ vom großartigen Vorgänger »Vicious« erinnert. ‘Bright Side’ ist sehr melodiös gehalten, dabei aber nicht weniger druckvoll und wird mit einem großartigen Gitarrensolo abgerundet. Das folgende ‘The Steeple’ beinhaltet alle Markenzeichen der Band inklusive eines eingängigen Refrains.

Doch Halestorm beherrschen auch die ruhigen Töne. Fast schon balladesk, eingeleitet mit akustischem Gitarrenspiel, erklingt ‘Terrible Things’. Lzzy wirkt zerbrechlich, leidend und schutzlos den schlechten Dingen, die sie besingt, ausgeliefert. Doch schnell regiert wieder die kraftvolle Überlegenheit der Sängerin, wie im nachfolgenden ‘My Redemption’ nachzuhören ist.

Am heftigsten, bezogen auf die Gitarrenriffs und die druckvolle Umsetzung erklingt ‘Bombshell’, das passend zum Titel zu explodieren scheint. Erneut fordernd, zunächst ruhig und lauernd gesungen, dann mit einem energiegeladenen stimmlichen Ausbruch kracht ‘I Come First’ aus den Boxen. Alternative-Sound in seiner besten Form bietet ‘Psycho Crazy’, in dem Lzzy Stimme überschnappend, fast schon psychotisch erklingt.

Ein absoluter Ausnahmesong ist der elfte Titel namens ‘Raise Your Horns’, der aus Klavierbegleitung und Lzzys Stimme besteht. Vergesst das überall abgefeiert Pop-Stimmwunder namens Adele, denn Lzzy Hale singt sie in Grund und Boden. Dies nicht nur vom Stimmumfang, sondern auch von den tiefen Emotionen, die aus dem Gesang in ‘Raise Your Horns’ sofort das menschliche Gefühlszentrum erreichen und eine nicht enden wollende Gänsehaut schaffen.

Zusammenfassung

»Back From The Dead« ist bereits jetzt einer meiner Anwärter auf das Album des Jahres 2022. Jeder Song weist die passende Stimmung, voller unterschiedlicher Ausrichtungen und gespickt mit vielen gesanglichen, aber auch instrumentalen Höchstleistungen, auf. Ein Album voller Highlights, ohne Ausfälle, voller Abwechslung, das es in der heutigen Zeit eher selten zu hören gibt. Dazu noch die kraftvolle und emotional passende Umsetzung lassen »Back From The Dead« zu einem Meisterwerk des Genres werden.


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