Lesedauer: 3 Min.

The Black Keys – die Blues-Suppe des Tages

Nach ihrem Ausflug in Cover-Territorium mit ihrem letzten Album „Delta Kream“ schlägt das amerikanische Blues-Duo nun mit einem neuen Album voller Originalmaterial zurück – und klingen dabei fast wie früher. Aber leider auch wirklich nur fast. Weitere interessante Rock-Storys gibt es hier zu lesen.

InterpretThe Black Keys
AlbumDropout Boogie
Veröffentlichung13. Mai 2022
GenreBlues Rock
LabelNonesuch Records
Tracks11
Bewertung der Redaktion7/10
Spieldauer34 Min

Minimalistischer Garagen-Blues

Blues braucht nicht viel, um gut zu sein. Im Grunde braucht es nur eine Gitarre – so hat er schließlich angefangen. Der ganze Pomp und Schnickschnack, den die Fusion mit dem Rock‘ n‘ Roll in der zweiten Hälfte der 60er Jahre mitgebracht hat (ironisch eigentlich, wo Rockmusik doch selbst aus der Ursuppe des Blues entstanden ist), ist im wesentlichen nur Ballast. Das würde vielleicht ein echter Blues-Enthusiast behaupten – wir allerdings nicht. Wobei es manchmal auch erfrischend wirkt, wenn sich Musiker der alten Formel widmen, und dabei auch noch zeitgemäß bleiben.

Cover "Dropout Boogie"
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Dan Auerbach und Patrick Carney – gemeinsam besser als The Black Keys bekannt – versuchen sich genau daran. Auch bei ihrem mittlerweile elften Studio-Album widmen sie sich einem aufs mindeste reduziertem Blues Rock. Allerdings muss definitiv das „zeitgemäß“ betont werden, denn auch wenn sie musikalische Traditionalisten sind, erinnert das Album mehr an modernes wie Ty Segall oder die Oh Sees, als an Robert Johnson oder Howlin Wolf. Nichtsdestotrotz überzeugt die Partnerschaft aus knusprig verzerrter Gitarre und Lo-Fi-Schlagzeug auch auf „Dropout Boogie“ (manchmal schleicht sich aber dennoch eine Bass-Spur auf die Aufnahmen).

Hüftschwinger und Schlaftabletten

Mit dem Opener ‘Wild Child’ ist gleich zu Beginn ein Highlight platziert worden. Zwar ist der Titel des Songs in der Rockmusik mittlerweile so durchgekaut wie ein alter Kaugummi, die Musik ist aber ein kratziger Hüftschwinger. Ein White Stripesesques Riff und die vermutlich am längsten im Gehörgang klebenbleibende Hook des gesamten Albums lassen die Nummer gleich hervorstechen. Das klingt so frisch, dass man gar nicht glauben kann, dass das Duo nun schon seit 21 Jahren existiert.

Der in der Mitte des Albums anzutreffende Track ‘Your Team Is Looking Good’ kann sich ebenfalls sehen, beziehungsweise hören lassen. Mit einem dermaßen eingängigen Riff, das irgendwo zwischen Dire Straits ‘Money For Nothing’ und 70er Jahre Blues-Revival glänzt. Einzig der Text ist dermaßen bescheuert, dass er fast nervig ist. „Your Team is looking good, but mine is looking better”? Was soll das sein, irgendein Versuch eine Sporthymne zu kreieren? Aber das kann man den Black Keys durchaus verzeihen, der Song ist trotzdem einfach gut.

Auch der darauffolgende Song ‘Good Love Is Hard To Find’ ist der stärkste des Albums – eventuell auch wegen dem hochkarätigen Gastmusiker, der hier seine Gitarrenskills leiht: Billy Gibbons. Der ZZ Top-Gitarrist legt ein unverkennbares, leicht psychedelisches Gitarrensolo aufs Parkett, das einen glatt den trockenen Staub Texas‘ schnuppern lässt. Auch eher ungewöhnlich ist die Hammondorgel, die Gitarre und Schlagzeug begleitet. Hier tut die erweiterte Instrumentalisierung dem Sound definitiv gut.

So genial wie diese drei Songs sind, so vergesslich sind leider auch die sieben verbleibenden. Zwar ist auf „Dropout Boogie“ wirklich kein schlechter Song vorhanden, und die meisten machen wirklich Spaß (eine lobende Erwähnung sollte ‘Burn The Damn Thing Down’ erhalten), aber so richtig zünden tun sie selten. Zu wenig Ohrwürmer, da ist man als erfahrener Black Keys-Hörer mehr von Krachern wie „El Camino“ oder „Brothers“ gewohnt. Alles in allem kann man mit dem Album aber wirklich nicht viel falsch machen.


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