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Christian Death – Tanzbare Totenstimmung

Bei einem derartigen Output wie dem, den die amerikanischen Gothic-Ikonen Christian Death an den Tag (oder vermutlich eher die Nacht) legen, darf man ruhig auch an der Qualität zweifeln. „Evil Becomes Rule“ markiert für die Band das mittlerweile zwanzigste Album – und dennoch findet die kontroverse Band eine starke Balance zwischen Schockwert, Kunst und Catchyness. Weitere interessante Rock-Storys gibt es hier zu lesen.

InterpretChristian Death
AlbumEvil Becomes Rule
Veröffentlichung6. Mai 2022
GenreGoth Rock
LabelSeason Of Mist
Tracks11
Bewertung der Redaktion7/10
Spieldauer42 Min

Mit Kantaten gegen die Konventionen

Christian Death haben eine lange und turbulente Geschichte – ein Fakt, der sich ganz einfach daran erkennen lässt, dass die Liste an ehemaligen Mitgliedern mittlerweile 31 Namen umfasst. Das ist eine ganze Menge Personal, selbst wenn man die Existenz der Band seit den späten Siebziger Jahren bedenkt. Bei Musikern, die in der Band-Historie jedoch lediglich als „Jay“ aufgeführt werden, stellt sich aber auch die Frage, wie ernst die Zusammenarbeit war. Die größte Konstante innerhalb der Goth-Konstellation ist mittlerweile Valor Kand. Der ist zwar kein Gründungsmitglied, übernahm allerdings im Laufe der Jahre schnell die Führung der Band, in der er nun als Sänger, Gitarrist und Songwriter fungiert.

Cover "Evil Becomes Rule"
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Als solcher nutzt er die Band, um möglichst effektiv gegen gängige religiöse und moralische Konventionen zu rebellieren. Alben wie „Sex And Drugs And Jesus Christ“ (Das eine Abbildung von Jesus zeigt, der sich gerade einen Heroin-Schuss in den Arm drückt), oder „Pornographic Messiah“ zeichnen sich durch eine klare Anti-Christliche Haltung aus, die zwar einerseits definitiv Teil einer grenzwertig nihilistischen Ideologie Kands, andererseits aber auch ganz simpel Teil eines auf Schock abzielenden Marketings ist. Dabei vergisst man häufig, dass die Musik dahinter wirklich gut ist. Bassgetriebene, düstere Deathrock-Nummern, die Kand mit seinem dramatischen Gesang untermalt, sind auch auf „Evil Becomes Rule“ wieder die Norm.

Die basslastige Hoffnungslosigkeit

Der Opener ‘The Alpha And The Omega’ zeigt stimmungstechnisch direkt, wo es lang geht: der Frontmann der Bans begrüßt den Hörer ohne lange Umschweife mit den Worten „Abandon all your hope, all who enter here. If you’re not dead and cold, then you’re the enemy.” Da wird eine klare Message gesendet, und musikalisch passen die darum angelegten Arrangements ebenfalls in diese diabolische Warnung. Post Punkiges Gitarrenspiel mit Fuzz-Verzerrung und düstere Streicher im Hintergrund erschaffen einen düsteren Klangteppich. Schon beim diesem Song fällt wieder einmal auf, dass die, seit den 90ern engagierte, niederländische Sängerin Maitri eine hervorragende Ergänzung in Sachen Gesang ist – egal ob nur geisterhaftes Gestöhne im Hintergrund oder Leadgesang, die Frauenstimme passt.

Ein weiteres Highlight der Platte findet sich nur ein paar Tracks später: ‘Blood Moon’ ist ein richtiger Goth-Banger. Die Bassline, die schwer an das Sisters Of Mercy-Meisterwerk ‘Lucretia My Reflection’ erinnert, lässt einen sofort im Takt mitschwingen. Ein Song, der wie für die Tanzflächen der gotischen Szene gemacht ist. Einziges Manko ist die Produktion. Ein wenig mehr Power – vor allem bei besagter Bassline – hätte dem Song, wie auch dem Rest des Albums gutgetan.

Das ist sowieso ein Kritikpunkt bei „Evil Becomes Rule“. Zwar ist jeder Song spitze, doch oft fehlt einfach der gewisse Kick. Stellenweise wirkt die Musik daher austauschbar, und bleibt nicht lange im Gedächtnis. Dennoch sind genügend gute Stücke vorhanden um Spaß beim hören zu haben. Ob bösartig wie auf ‘New Messiah’ oder verträumt und finster wie auf der Hymne ‘Beautiful’ – Christian Death haben es auch nach Jahrzehnten noch drauf!


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