Ghost – Das infernale Imperium

Man liebt sie oder man hasst sie: Bei der schwedischen Band scheiden sich die Rock und Metal-Gemüter. Mit ihrem fünften Album dürfte sich das nicht ändern – im Gegenteil, denn auf „Impera“ entfernen sie sich noch weiter von ihren metallischen Ursprüngen. Dennoch hat der Dreher so einiges zu bieten. Weitere interessante Rock-Storys gibt es hier zu lesen.

InterpretGhost
AlbumImpera
Veröffentlichung11. März 2022
GenreHard Rock
LabelLoma Vista Recordings
Tracks12
Bewertung der Redaktion7,5/10
Spieldauer46 Min

Es werde Licht

Manch einer wird sich noch daran erinnern, als Ghost 2010 wie ein Poltergeist aus dem nichts in der Szene auftauchten, und Lärm machten. Ein paar erste Singles wurden schnell veröffentlicht, kurz danach erschien schon das erste Album beim britischen Prestige-Label Rise Above. Damals noch ziemlich heavy und düster – passend zum Look der Band, die sich von Anfang an als satanischer Klerus präsentierten. Die einen fanden es albern die anderen cool, und ganz anderen war es schlichtweg egal, solange die Musik stimmte. In den darauffolgenden zehn Jahren legte die Gruppe eine stattliche, für Hard Rock mittlerweile eher untypische Karriere hin: spätestens nach ihrem vierten Werk „Prequelle“, das sich auf Platz Drei der US-Charts halten konnte, und einem gewonnen Grammy, füllten sie bei Headliner-Tourneen jegliche Arenen. Dementsprechend hat sich auch der Sound verändert. Eingängiger Hard Rock, partytauglich mit großen Hymnen und tanzbaren Tracks. Dass ausgerechnet so etwas im Metal-Kosmos enorm erfolgreich ist passt nicht jedem Fan – und das muss es auch nicht.

„Impera“ bewegt sich nun noch weiter in diese „poppige“ Richtung. Die Texte der dort präsentierten Songs drehen sich um Imperien, genauergesagt deren Aufstieg zur Macht und anschließender Verfall. Ironischerweise wird die Band von Tobias Forge wie von einem Imperator geführt – dass er, der auf der Bühne die diabolischen Kirchenoberhäupter Cardinal Copia und Papa Emeritus spielt, Chef und alleiniges Mastermind von Ghost ist, stellt mittlerweile keiner mehr in Frage. Ist das Thema vielleicht sogar als eine Art Allegorie zu Ghosts eigenem Aufstieg und ihrer Markenentwicklung zu verstehen? Nur der Verfall blieb den Schweden bisher erspart.

Cover "Impera"
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Das Album nur auf den bereits erwähnten, poppigen Hard Rock zu reduzieren wäre jedoch eine Sünde. Wie bei den vorangegangenen Werken sind die einzelnen Songs so reich an Einflüssen wie es der Vatikan an steuerfreien Finanzmitteln ist. Der Opener ‘Kaiserion’ ist dafür beispielhaft: Ein ‘Thunderstruck’-artiges Intro-Riff, das sich in einen an The Darkness erinnernden Song entwickelt um schließlich als Up-Tempo 80er Hard Rock-Hymne mit Chorgesang seinen Höhepunkt zu finden. Man kommt kaum mit, bei all dem, was es in den Liedern zu entdecken gibt.

„Call Me Little Sunshine“ -Video aus dem Album „Impera“

Hohe Hitdichte mit hörbarem Tiefgang

Dass Tobias Forge ein talentierter Songwriter ist, der jede Menge Spaß bei seiner Arbeit hat, wird bei „Impera“ ein weiteres Mal deutlich. Selbst wenn die Lieder in erster Linie eingängig sein sollen, so sind sie keineswegs simpel gestrickt. Kompositorisch passiert viel, sie haben stets einen smarten Aufbau, und auch wenn etwas weniger experimentiert wird als bei „Prequelle“, gibt es genügend Momente, die überraschen. Die auch als Single veröffentlichte Nummer ‘Twenties’ spielt etwa mit musikalischen Themen aus dem besungenen Jahrzent, sowie zahlreichen anderen Sounds, die kaum zuzuordnen sind. Fairerweise ist es einer der schwächeren Beiträge zur Platte, aber bei so viel Mut zur Abwechslung kann man Forge nur bewundern.

Am besten funktioniert die Platte jedoch, wenn sie sich wieder in Richtung Okkult-Rock bewegt. Der düstere Sound, der trotzdem voller Lebensfreude steckt, überzeugt auch noch auf dem fünften Langspieler. Speziell die Songs speziell auf Songs wie ‘Hunters Moon’ (der seine Premiere im Soundtrack des Slasher-Streifens ‘Halloween Kills’ feierte) oder ‘Griftwood’ (bei dessen Gitarrenspiel offensichtlich Van Halen Pate stand) stechen hervor. Die überproduzierten Balladen, die mittlerweile den Mittelpunkt von Ghosts musikalischem Output bilden, haben zwar ebenfalls ihren ganz eigenen Charme und sind technisch herausragend, sind aber auch für einen sehr offenen Fan eine Spur zu kitschig.

„Impera“ reiht sich tadellos in die bisherige Diskografie der schwedischen Rockstars ein. Zwar würde man sich öfter etwas mehr Härte wünschen, aber im großen und ganzen ist es ein perfektes Ghost-Album.


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