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Los Bitchos – Das langersehnte Debütalbum der britischen Ausnahmeband

Es gibt sie immer wieder: Junge Musiker, die sich schnell einen guten Ruf erspielen – ohne überhaupt ein einziges Album veröffentlicht zu haben. Die Londoner Mädels-Gang, die der Musikwelt seit ein paar Jahren als Los Bitchos bekannt sind, haben Albumtechnisch lange auf sich warten lassen. Umso größer sind nun die Erwartungen an das Debüt. Weitere interessante Rock-Storys gibt es hier zu lesen.

InterpretLos Bitchos
AlbumLet The Festivities Begin!
VeröffentlichungFebruar 2022
GenrePsychedelic Rock, Cumbia
LabelCityslam Records
Tracks11
Bewertung der Redaktion9/10
Spieldauer37 Min

Cumbia, Tequila und Rock‘n‘ Roll

„Lasst die Feierlichkeiten beginnen“ – so lautet der Titel des ersten Los Bitchos-Langspielers zu deutsch. Und dafür gibt es auch jeden Grund, denn das Debüt ist der nächste Meilenstein der Band auf dem Weg zum Psych-Rock-Olymp. Mit sporadischen Single-Veröffentlichungen und weniger sporadischen Auftritten wecken Agustina, Josefine, Serra und Nic seit 2017 das Interesse in den alternativen Rockszenen und machten vor allem eins: Lust auf mehr. Die Rockszenen stehen hier vollkommen beabsichtigt im Plural, denn genauso vielfältig, wie die Herkunftsorte der in London residierenden Damen (Australien, Uruguay und England), ist auch deren Musik.

So vielseitig, dass es schwerfällt, überhaupt ein Label für sie zu finden. Sie selbst bezeichnen das, was sie da spielen, als „Instrumental-Psychedelic-Sunshine-Cumbia“ – womit der gemeine Musikfan recht wenig anfangen dürfte. Hört man sich durch die elf Songs des Albums, fängt man allerdings an, den sperrigen Fantasie-Begriff zu verstehen. Psychedelisch anmutende, mal verzerrt, mal clean rockende Gitarrenriffs treffen auf die exotischen Rhythmen des südamerikanischen Cumbia. Das fantastische Zusammenspiel von Bass und Drums, sowie die subtil – aber passend – eingesetzten Keyboardparts machen „Let The Festivities Begin!“ zu einem Werk, bei dem man den fehlenden Gesang kein bisschen vermisst.

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Im Gegenteil: Durch die instrumentale Darbietung entfalten sich die Songs auf eine ganz eigene Art und Weise. Die Geschichten der Songs finden beim Hörer im Kopf statt – sie sind gewissermaßen Soundtracks für Filme, die es gar nicht gibt. Der Opener ‘The Link Is About to Die’ entführt uns mit seinem eingängigen Bass-Groove und den trabenden Percussion-Einlagen zum Beispiel auf eine Strandparty am Ende der Welt, der immer schneller werdende Track ‘Las Panteras’ könnte während der finalen Verfolgungsjagd in einem 70er Jahre Streifen laufen und ‘Tripping at a Party’ klingt dank dem Fokus auf die funky Gitarre ziemlich genau nach dem, was der Titel verspricht: nach einer bunten Mischung aus Bewusstseinserweiterung und Tequila-Rausch. Aber auch wenn die Songs im Los Bitchos-Kosmos diverser kaum sein könnten, verbindet sie alle, dass sie extrem tanzbar sind.

„Pista (Fresh Start)“ -Video aus dem Album „Let The Festivities Begin!“

Für die Bühne gemacht

Tanzen ist bei der Gruppe das Stichwort, denn schon ab dem ersten Akkord wird klar, dass sie eine absolute Live-Band ist. Ein Blick auf die bisher erschienen Musikvideos und Konzertmitschnitte bestätigt das. Die Mädels haben spürbar Spaß am Musikmachen, wovon sich selbst der größte Tanzmuffel im Publikum anstecken lassen wird. „Let The Festivities Begin“ lässt gleichzeitig Energie und Gelassenheit frei, die ihres Gleichen suchen. Es ist genau die Art von Eskapismus, die in den nasskalten Spätwinter-Monaten besonders benötigt wird. Und wenn die endlich überstanden sind, wird die Platte zum Muss auf jeder Partyplaylist!

„Let The Festivities Begin!“ ist eine abwechslungsreiche Platte, die eine Art Musik präsentiert, die genauso ungewöhnlich wie genial ist. Fans von zeitgeistigen, international klingenden Psych-Rock á la Altin Gün (mit denen die Band bereits einen Song produzierte) werden hier auf ihre Kosten kommen. Los Bitchos sind definitiv eine Gruppe, die auch noch außerhalb ihrer Nische Erfolg haben werden.


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