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Ronnie Atkins – Pretty Maids-Frontmann mit zweitem Solo-Album

Bereits im Jahr 1981 gründeten Sänger Ronnie Atkins und Gitarrist Ken Hammer die Band Pretty Maids. Seitdem veröffentlichten sie 15 Studio-Alben, das bisher letzte im Jahr 2019. Atkins liefert nun mit „Make It Count“ sein zweites Solo-Album innerhalb von weniger als zwei Jahren. Weitere interessante Rock-Storys gibt es hier zu lesen.

InterpretRonnie Atkins
AlbumMake It Count
Veröffentlichung18.03.2022
GenreRock
LabelFrontiers Music /Soulfood
Tracks11
Bewertung der Redaktion8,0/10
Spieldauer54:08 Min

Erfolge und Schicksalsschläge

Zwar verläuft die Karriere der dänischen Band Pretty Maids zu Beginn eher etwas zaghaft, was die Reaktionen auf ihre erste Mini-LP, veröffentlicht über ein Independent-Label, betrifft, doch bereits mit dem ersten Album „Red, Hot & Heavy“ (1984) erwecken sie das Interesse von namhaften Personen im Musikgeschäft, so auch das von Deep Purple-Sänger Ian Gillan. Er hilft der Band ein wenig und so kommt es 1987 zur ersten Major-Produktion „Future World“. Das Quintett, von dessen Ursprungsbesetzung außer Atkins und Hammer keiner mehr in der Band verblieben ist, erhöht den Bekanntheitsgrad, spielt weltweit Konzerte und bringt regelmäßig Alben heraus.

Sie arbeiten unter anderem auch mit Roger Glover (Deep Purple) als Produzenten und erspielen sich im Rockgenre viele Fans. Im Jahr 2003 erkrankt Hammer schwer, kann aber nach einer Auszeit wieder genesen zurückkehren. Weniger Glück scheint dabei Ronnie Atkins zu haben. Der Sänger, der auch als Gast bei diversen Avantasia-Songs als Duettpartner von Tobias Sammet singt und auch die Welttourneen mit der Formation absolviert, erkrankt im Jahr 2019 an Lungenkrebs.

Zunächst scheint es, als wäre die Erkrankung frühzeitig genug entdeckt worden, um sie zu behandeln und tatsächlich gilt der Krebs zu Beginn des Jahres 2020 als besiegt. Doch bereits im Herbst des gleichen Jahres muss Atkins, der bürgerlich Paul Christensen heißt, bekannt geben, dass der Krebs zurückgekehrt ist und nun als unheilbar eingestuft wird. Dennoch oder gerade deswegen will er die Zeit nutzen und so viel neue Musik wie möglich komponieren und veröffentlichen.

Make It Count -Video aus dem Album „Make It Count“

Make It Count

Pretty Maids sind bekannt für ihre melodischen Rocksongs, die aber immer eine Portion harten Rock beinhalten. Die Markenzeichen seiner Band hat sich Atkins ebenfalls für seine Solo-Alben angeeignet, ist dabei aber insgesamt etwas weniger metallisch unterwegs. Der Opener „I’ve Hurt Myself (By Hurting You)“ ist entsprechend eines Radio-Rocksongs, der auch aus den 80-er Jahren stammen könnte, angelegt und geht sofort ins Ohr. Auch das folgende „Unsung Heros“ bewegt sich in diesem Bereich, erinnert mit der einleitenden Gitarre, wenn auch entfernt, etwas an U2.

Fast schon mystisch, ähnlich dem Titelthema von „Akte X“, wird „Rising Tide“ eröffnet und setzt sich dann treibend fort. „Remain To Remind Me“ kommt ähnlich der beiden ersten Stücke sehr melodiös daher, während „The Tracks We Leave Behind“ insgesamt etwas pompöser erklingt und durch den typischen Pretty Maids-Mitsingrefrain begeistert. Härter und rockiger geht es dann in „All I Ask Of You“ zur Sache. Textlich verarbeitet Atkins hier die alltäglichen Situationen, dass sich Menschen aufgrund seiner Krankheit von ihm distanzieren oder ihm ständig die gleichen Fragen nach seiner Gesundheit stellen. Er möchte einfach so wahrgenommen werden, wie er früher war, als er noch nicht an Krebs erkrankt war.

Grace“ beginnt treibend und bewegt sich dann im Midtempo-Bereich und verfügt dabei aber über einige Härtegrade mehr, als die vorherigen Songs. Poppig und balladesk, mit einem Piano und Streichern angelegt, ist „Let Love Lead The Way“. Hierbei begeistert besonders Atkins Gesang, der sehr harmonisch und ausdrucksstark ist. Der härteste Song, mit sehr viel Pretty Maids in sich, ist „Blood Cries Out“, der perfekt auf ein neues Album der Band passen würde.

Weitere Kompositionen sind „Easier To Leave (Than Being Left Behind)“ und „Fallen“, die sich in das gewählte Soundgewand des Albums gut einpassen. Den Abschluss bildet der Titeltrack, der zunächst sehr getragen anmutet, bevor er sich zu einer kräftigen Rocknummer aufbaut.

Ronnie Atkins liefert auch mit seinem zweiten Solo-Album „Make It Count“ ein durchweg gelungenes Werk ab, das sich nur im Härtegrad von Pretty Maids-Veröffentlichungen unterscheidet. Doch Atkins wählte bewusst den Weg des Solo-Werkes, um nicht durch den gemeinsamen Entscheidungsprozess mit weiteren Bandmitgliedern limitiert zu werden und die Lieder so zu spielen und aufzunehmen, wie es ihm ein Anliegen ist. Unterstützung erhielt er dabei unter anderem von namhaften Musikern wie Chris Laney, Oliver Hartmann und Alla Sørensen.


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