Definition "Zyklus" Musiktheorie verstehen

Definition: Was bedeutet "Zyklus"?

Zyklus - Dieser aus der Musikfachsprache stammende Begriff ist dem lateinischen Sprachgebrauch entlehnt und bedeutet das Folgende, siehe hier: cyclus, wörtlich: Kreis. Damit wird eine mehrteilige Komposition zum Ausdruck gebracht, die als ein Ganzes zu betrachten ist, weil sie als ein einheitliches, gediegenes Gesamtwerk besteht.

Ausführliche Definition von "Zyklus" im bandup-Lexikon

Einem Zyklus liegt ein und derselbe thematische Zusammenhang zugrunde. Wenn man einen Teil, ganz gleich, ob es nun ein Satz, eine Arie oder ein Lied ist, entfernen würde, bräche das ganze Werk in sich zusammen, denn der logische Schluss bliebe aus. Bei einem Zyklus wird der Zuhörer ,mit auf die Reise geführt‘ und erlebt die einzelnen Etappen. Er ist eingeladen, die Entwicklung augenscheinlich mitzuvollziehen, was der Grund dafür ist, dass zwischen den jeweiligen Abschnitten kein Applaus stattfindet. Der Zuhörer ist voller Neugierde und Spannung, wie der Komponist wohl die Fortsetzung vollzieht, erlebt sie hautnah mit und ist selbst, gewissermaßen als ein Teil des Gesamtgeschehens, involviert, weil ihm der Sinn plausibel erscheint, er peu à peu den Zusammenhang erkennt und dadurch in die Lage versetzt ist, den Ablauf bis zum Schluss  nachzuvollziehen.

Der Begriff „Zyklus“ gilt zunächst einmal pauschal für alle Formen mehrteiliger Musikstücke, insbesondere dann, wenn dem betreffenden Werk keine nähere Beschreibung zugesprochen wurde. Bei einer Vielzahl von Werken wiederum bedarf es dringend dieses Begriffs, siehe hier: Zyklus für Pianoforte namens „Kinderszenen“ von R. Schumann. Die übergeordnete Idee wird plausibel gemacht bzw. der Sinnzusammenhang dargestellt. Solches kann zusätzlich durch Themenvariationen, durch eine immer wiederkehrende Tonartenabfolge oder durch andere musikalische Stilmittel geschehen. Oftmals ist die Tonart des Anfangs- und Schlussstücks dieselbe, weil dadurch nochmals eindringlich die Einheit des musikalischen Werks bekräftigt ist. Bei einigen Lieder-Zyklen wurde die Form bereits durch die Gedichts-Zyklen, welche sich der Komponist vorab als Grundlage seiner Vertonung auswählte, festgelegt. Weitere bekannte Zyklen sind z.B. die folgenden: „Die schöne Müllerin“ von F. Schubert, „Dichterliebe“ von R. Schumann, „Gypsy Songs“ von J. Brahms, und außerdem: „Die vier Jahreszeiten“ von A. Vivaldi, „Das Weihnachtoratorium“ von J. S. Bach, „Der Ring des Nibelungen“ von R. Wagner und „Bilder einer Ausstellung“ von M. Mussorgski.