Fast die Hälfte (43%) aller Menschen in Deutschland besuchen gelegentlich Musikveranstaltungen oder Konzerte. Ob man Live-Konzerte mag oder nicht, fast jeder hört Musik, die ihm gefällt. Musik ist ein wichtiger Teil der Kommunikation. Genau genommen eine Form der non-verbalen Band-Kommunikation. Da Musik der Unterstützung von Sprache und dem Ausdruck von Emotionen dient. Ebenfalls dient sie der Vermittlung von Einstellungen und soziokultureller Informationen über Personen. „Musik hat den großen Vorteil, dass sie die üblichen Sprachbarrieren überwindet (…) Musik vereint Völker wie die einzelnen Individuen.“ Dies ist vermutlich nicht nur für mich der Grund, täglich Musik zu hören, sondern auch selber zu musizieren.

Meine Studienarbeit zum Thema „Band-Kommunikation zwischen Musikern“

Ich habe während meines Studiums eine Hausarbeit geschrieben, welche ich hier in dem Blog teilen möchte und gerne Eure Meinung wissen würde. Die vorliegende Studienarbeit behandelt das Thema Kommunikation zwischen Musikern innerhalb einer Band. Die Neugierde über das Thema ist auf meinen Werdegang zurückzuführen. Ich spiele seit meinem sechsten Lebensjahr Geige. Ich begann mit Notenlehre und Einzelunterricht. Später spielte ich mehrere Jahre in einem Orchester unter Führung eines Dirigenten. Mit fünfzehn Jahren habe ich die Geige gegen eine Gitarre ausgetauscht. Die Gitarre habe ich mir alleine mithilfe von Online-Gitarrenkursen beigebracht. Dort fing ich in einer Schulband an und spielte später in einer Band, die von einem Label betreut wurde. Dabei war für mich immer die größte Umstellung gegenüber dem Orchester, dass es keine klare Führung in der Kommunikation gab, sowie sie ehemals durch den Dirigenten stattgefunden hatte. Da sich diese Problematik besonders stark bemerkbar machte, würde ich gern diesen Aspekt etwas näher betrachten und untersuchen wollen. Schließlich war die gescheiterte Band-Kommunikation der Hauptgrund dafür, dass ich ausgetreten bin. Folgende Fragen haben sich nunmehr für mich gestellt:

Wie funktioniert die Band-Kommunikation innerhalb einer Band?

Welche Funktionen erfüllt der Bandleader im Kommunikationsprozess?

Ich möchte unter Berücksichtigung eines anerkannten Kommunikationsmodells, diese Fragen beantworten. Des Weiteren möchte ich anhand eigener Erfahrungen als Musiker Überlegungen für eine gelungene Band-Kommunikation in einer Band diskutieren. Was ist euer Rezept für eine gelungene Band-Kommunikation? Du kannst die Studienarbeit mit allen Quellen und Nachweisen dir auch hier direkt angucken. Wenn du es nicht so wissenschaftlich haben willst, lese hier gerne weiter:

Verknüpfung zu Kommunikation

Es stellt sich die Frage, was die Kommunikation in der Musik ausmacht. Die Musiker sprechen untereinander und als Band kommunizieren sie über die selbst erzeugte Musik. Auf der Bühne wird beides vereint. Das Sprechen mit dem Publikum (Ansagen & Interaktion), die auditive Musikerzeugung an sich und die Körpersprache (Mimik & Gestik). Dies sind Faktoren, welche während eines Auftrittes ineinander fließen und existenziell für den Erfolg eines positiven Konzerterlebnisses sind. Um dieses Erleben näher zu beleuchten, sollte auf den Stellenwert der Kommunikation in der Musik näher eingegangen werden.

Band-Kommunikation in der Musik

„Musik dient primär der Mitteilung von Gefühlen als eine Form der menschlichen Kommunikation.“ Damit möchte Riggenbach sagen, dass es eine Form der Kommunikation gibt, welche keinesfalls nur eine verbale Mitteilung darstellt, die bewusst oder unbewusst aufgenommen werden kann.

verbale Kommunkation

Es wird dadurch genauso versucht, einen emotionalen Zustand beim Publikum zu erzeugen. Texte sind die einfachste Form, um eine Botschaft innerhalb der Musik zu übermitteln. Da die Liedverse klar verständlich sind und normalerweise nicht verfälscht oder miss-interpretiert werden können, sind sie ein beliebtes Stilmittel der Kommunikation. Daher können sie in einer Band gezielt eingesetzt werden, um das Publikum zu erreichen, zu erfreuen oder zu begeistern.

Die non-verbale Kommunikation

Eine weitere Form der Kommunikation in der Musik, um Gefühle zu übermitteln, ist non-verbal. „Die Sprache allein als Kommunikation reicht nicht aus.“ Dies bedeutet, dass durch Musik das ausgedrückt wird, was mit Worten nicht zu beschreiben ist. Wenn die Band auf der Bühne steht sind die Interpreten der „Sender“. Das Publikum, welches zuhört, der „Empfänger“. Da die non-verbale Kommunikation von der Band schwieriger zu entschlüsseln ist als die verbale, kann das Publikum eine andere Botschaft aufnehmen, als es von der Band gewollt ist. Durch das codierte Signal kann der Empfänger die daraus sich erschließende Reaktion nicht vorhersehen. Dieser Sachverhalt ist meiner Ansicht nach das Spannende, was Musik ausmacht. Durch die sprachliche Metakommunikation löst das Signal in jeder Person innerhalb des Publikums ein anderes Gefühl aus.

Dadurch entstehen Diskussionen, welche verbinden und außerhalb der Musik stattfinden. Durch diesen Entschlüsselungsprozess von codierten Signalen können Songwriter die emotionale Richtung bestimmen. Dort können sie ihre Gefühle in einem Lied verarbeiten, in Szene setzen und dem Zuschauer bzw. Zuhörer vermitteln. Jedoch niemals die Reaktion des Publikums vorgeben.

Kommunikations- und Führungsarten innerhalb einer Band

Es gibt, wie in Unternehmen auch, verschiedene Möglichkeiten sich in einer Band zu organisieren. Gute Organisation gewährleistet professionelle Zusammenarbeit. Im Folgenden möchte ich näher auf die beiden Führungsstile eingehen, welche am häufigsten in Bands wiederzufinden sind.

Gleichberechtigter Führungsstil

Auf der einen Seite können Musiker beschließen demokratisch zu entscheiden, wobei jeder Musiker das gleiche Stimmrecht hat. Bei dieser Variante kommt es zu Diskussionen, da es oft zu Meinungsverschiedenheiten kommen kann. Es haben dabei alle Musiker dasselbe Stimmrecht und es werden nur einheitliche Entscheidungen beschlossen. Damit herrscht für jeden Musiker Gleichberechtigung. Wichtige Entscheidungen sind unter anderem, wie die Band nach Außen kommunizieren möchte. Dies ist bedeutend, da alle Musiker hinter einer Entscheidung stehen müssen und weil es die Glaubwürdigkeit innerhalb der sozialen Band-Kommunikation stärkt.

Nils Kolonko behauptet, dass diese Form der Führung nur funktioniert, wenn alle Musiker die gleichen Ziele und Einstellungen vertreten. Des Weiteren sagt er, dass das Zusammenspiel und die Funktionsfähigkeit als Team wichtiger ist als alles andere. In einem passenden Beispiel verdeutlicht er dies: „Die Beatles hatten einen mittelmäßigen Schlagzeuger. Ringo Starr konnte sein Instrument nicht auffallend gut spielen. Als er weltberühmt wurde, gab es tausende Schlagzeuger, die besser als er waren. Der Grund dafür, warum Ringo Starr es […] geschafft hat, ein Weltstar zu werden, war die Funktionsfähigkeit seiner Band als Gesamtwerk.“

Bestimmender Führungsstil

Kolonko beschäftigt sich mit den vier Gründen, woran Bands scheitern können. Einer davon ist die unterschiedliche Zielsetzung der einzelnen Musiker und die damit verbundene fehlende oder unzureichende Band-Kommunikation untereinander. Auf der anderen Seite gibt es die Führungsart im diktatorischen Sinn, welche sich daraus entwickelt. Bei dieser wird ein Bandleader gewählt, der die Richtung der Kommunikationsentscheidungen vorgibt. Der Bandleader ist somit der Gruppenleiter der Band. In vielen Fällen gründet er die Band und sucht sich Musiker aus, die seinen Vorstellungen und Erwartungen entsprechen. Die Entscheidung für einen Bandleader kann aber auch bei einer schon bestehenden Band ein sinnvoller Schritt sein, um den Kommunikationsprozess zu vereinfachen. Da jeder Musiker unterschiedliche Stärken hat, entscheidet der Bandleader daraufhin die interne Rollenverteilung. Zu den wichtigsten Rollen innerhalb einer Band gehört zum Beispiel die Gestaltung der Proben, das Organisieren von Konzerten, das Marketing oder das Songwriting.

Im Kommunikationsprozess ist die Person des Bandleaders besonders interessant zu analysieren, da sie sich nicht wie der Dirigent in einem Orchester verhält. Die einzige Aufgabe von einem Dirigenten ist die Kommunikationsleitung innerhalb der Musiker zu bewerkstelligen. Der Bandleader allerdings ist im aktiven Prozess des geschehen mit inbegriffen, welches die Bewerkstelligung der Kommunikation vor eine besondere Herausforderung stellt. Der gewählte Bandleader lobt, korrigiert, motiviert und kritisiert. Seine Kommunikationsführung wirkt sich sowohl auf die Sprachebene als auch auf diese der Körpersprache aus. Im weiteren Verlauf wird nun auf die Kommunikation eines Bandleaders am Beispiel der Lasswell-Formel eingegangen.

Kommunikationsmodell der Lasswell-Formel

Politik- und Kommunikationswissenschaftler Harold Dwight Lasswell entwickelte im Jahr 1948 eine Formel, welche den Akt der Kommunikation mit der Beantwortung einer Frage beschreibt. Diese lautet: „Wer sagt was, in welchem Kanal, zu wem, mit welchem Effekt?“ Dabei geht er auf die Forschungsbereiche der Kommunikation, Medieninhalt-, Medien,- Rezipienten- und Medienwirkungsforschung ein. Um die vorliegende Studienarbeit kommunikationstheoretisch zu erweitern, werde ich dieses Modell anhand eines Beispiels hinsichtlich einer Konzertsituation näher erläutern.

Die Botschaft des Bandleaders in der Lasswell-Formel

Beispiel: Eine Band mit einem bestimmenden Führungsstil spielt ein Konzert vor einem Publikum und es fällt auf, dass der Schlagzeuger den Takt nicht trifft. Nach Harold Dwight Lasswell wird diese Botschaft wie folgt beschrieben:

Wer:

Da die Band sich für einen bestimmenden Führungsstil entschieden hat, ist der Bandleader die Person, welche dem Schlagzeuger die Information bezüglich des unrhythmischen Taktschlages unterbreiten sollte. Durch diese Aktion ist der Bandleader der Sender der Botschaft bzw. der Kommunikator. Bei einem gleichberechtigten Führungsstil kann der Sender auch eine andere, in- oder externe Person sein. Wenn der Kommunikator eine externe Person ist, wirkt sich dies negativ auf die Band aus.

sagt was:

Hier muss der Sachverhalt vermittelt werden bzw. folgende Frage: “Worüber möchte ich informieren?” Im Beispiel muss gesagt werden, dass der Schlagzeuger den Takt nicht trifft. Diese Botschaft sollte einen Appell beinhalten, der einen Effekt erzielt und Abhilfe schafft.

in welchem Kanal:

Die Klassifikation von dem eingesetzten Medium ist hier von Bedeutung. Wenn der Bandleader es dem Betreffenden direkt mittels Sprache, Mimik, Gestik und Haltung sagt, ist es ein primäres Medium, da es ohne irgendein technisches Hilfsmittel geschieht. Das kann zum Beispiel in der Form geschehen, dass er es ihm während einer Pause ins Ohr flüstert. Er könnte die Botschaft aber auch über ein sekundäres Medium übermitteln, wenn er ein technisches Hilfsmittel hinzunehmen würde. Das wäre dann der Fall, wenn er es ihm über Mikrofon mitteilen würde. Wenn ihm der Schlagzeuger ebenfalls über ein Mikrofon antworten würde, wäre dies der Kanal der tertiären Medien.

zu wem:

Da der Schlagzeuger die Person ist, welche die Botschaft erreichen soll, ist dieser auch der Empfänger der Botschaft. Da jeder einzelne Faktor der Formel voneinander abhängig ist, kann die Veränderung eines einzelnen Parameters den Effekt beeinflussen. Zumal ist die Übermittlung der Botschaft über das Mikrofon eine ganz andere, als diese über den Weg des primären Mediums.

mit welchem Effekt:

Hier begegnen sich alle vormals erwähnten Stufen, fließen zusammen und verbinden sich. Es wird sich mit der Wirkungsforschung beschäftigt. Dabei kommt es darauf an, wie der Empfänger die Botschaft aufnimmt bzw. wie er damit umgeht von dem Moment an, da er sie erhalten hat. Wie geht der Verarbeitungsprozess vonstatten? Ich vermute zunächst einmal, dass es zu einer Auseinandersetzung gekommen wäre, wenn der Bandleader ihm die Information über Mikrofon mitgeteilt hätte. Meines Erachtens würde es besser sein, wenn er ihn mittels Mimik und Gestik auf den fehlerhaften Taktschlag hinweisen würde. Damit hätte er die Botschaft wohlwollend aufgenommen und wäre nicht vor anderen kompromittiert worden.

Handlungsempfehlungen für eine gelungene Band-Kommunikation

Im Folgenden werden die Aussagen des soeben erwähnten situativen Beispiels hinsichtlich der Lasswell-Formel auf Validität geprüft. Das Ziel der Anwendung dieses Modells ist es, Missverständnisse in der Kommunikation zu vermeiden und den Kommunikationsprozess innerhalb einer Band idealerweise zu optimieren. Da dieses Modell ein Feedback der Rezipienten nicht berücksichtigt, handelt es sich hierbei um ein unidirektionales Modell. Auch werden durch die starke Differenzierung der Forschungsbereiche mögliche Zusammenhänge verdeckt. Es fehlt in der Formel die Art und Weise, wie der Sender die Botschaft an den Empfänger übermittelt. Wäre dieses Manko nicht vorhanden, müsste nicht die Frage gestellt werden, welche Reaktion die Botschaft des Bandleaders bei dem Schlagzeuger auslöst.

Aus heutiger Sicht lässt sich daher nur geringfügig durch Anwendung dieses Modells der Kommunikationsprozess optimieren, da es eher für die Massenkommunikation geeignet und von Vorteil ist. Trotzdem kann durch regelmäßige Anwendung dieses Modells der Kommunikationsprozess innerhalb einer Band optimiert werden, da die Stufe des Missverständnisses deutlich hervorgehoben und konkretisiert wird. Ebenfalls sollten die Musiker versuchen, eine Ich-Botschaft anstatt eine Du-Botschaft zu vermitteln. Zum Beispiel hätte der Bandleader sagen können: „Ich komme aus dem Takt, wenn du ihn falsch vorgibst“, anstatt zu sagen: „Du triffst den Takt nicht“.

Überlegungen zu einer gelungenen Band-Kommunikation

Wie die Kommunikation innerhalb der Band gelingen kann, würde ich mit folgenden Überlegungen aufzeigen und somit einen Bezug zur Forschungsfrage herstellen. Neben vorausgesetzten Verhaltensregeln wie Würde, Respekt und Achtung untereinander, die im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland niedergeschrieben sind, sollten weitere Aspekte herangezogen werden. Die Kommunikation ist von jedem einzelnen Bandmitglied abhängig, dabei spielt es eine große Rolle, wie lange die Bandmitglieder schon gemeinsam spielen. Je länger, desto besser die Kommunikation. Für einen gelungenen Kommunikationsprozess sollten sich Sender und Empfänger einer Botschaft immer wieder reflektieren, wie in der Lasswell-Formel geschlussfolgert wurde. Gegenseitiges Verständnis wirkt sich positiv auf die Kommunikation aus.

Folglich wird nun die Forschungsfrage, welche Funktionen der Bandleader im Kommunikationsprozess übernimmt, beantwortet. Es ist meiner Meinung nach wichtig, dass der Bandleader und die Musiker sich als Team betrachten und dieselben Ziele verfolgen. Ansonsten musizieren sie nicht miteinander, sondern gegeneinander und haben keine gemeinsame Kommunikationsebene, auf der sie sich bewegen. Besonders vor Publikum auf der Bühne nimmt der Bandleader eine sehr wichtige Rolle im Kommunikationsprozess ein. Dort sollte dieser für eine positive Atmosphäre innerhalb der Band sorgen. Es gibt also verschiedene Möglichkeiten, den Kommunikationsprozess innerhalb einer Band und mit dem Bandleader gemeinsam zu optimieren.

Fazit

So verschiedenartig Menschen durch ihr Elternhaus, ihr soziales Umfeld oder ihre Kultur geprägt sind, so verschieden kann der plötzliche Effekt sein, welcher ausgelöst wird, nachdem die Nachricht empfangen wurde. Sorgfalt, Verantwortungsbewusstsein, Mitmenschlichkeit, Sensibilität und Rücksichtnahme sind wesentliche Faktoren für eine gelungene Band-Kommunikation. In diesem Zusammenhang möchte ich weiterführend auf das Vier-Seiten-Modell von Friedemann Schulz von Thun hinweisen. Dieses Modell trägt zu einem besseren Verständnis bei, welches weitergehend untersuchen werden könnte.

Da, wie bereits erwähnt, Band-Kommunikation mehr als bloß miteinander reden ist, z.B. Ausstrahlung einer Person, Verhalten, Mimik und Gestik wesentliche Faktoren sind, wäre es meines Erachtens ratsam, den Weg der unmittelbaren Kontaktaufnahme zu bevorzugen. Nur im Falle einer unüberbrückbaren Distanz, d.h. dann, wenn die Standorte lokal verschieden sind, sollte der Weg der medialen Band-Kommunikation gewählt werden. Voraussetzung dafür ist, dass dann die von mir zuoberst aufgeführten Aspekte noch viel mehr berücksichtigt werden sollten, da der unmittelbare Bezug zum Gegenüber fehlt, der durch nichts zu ersetzen ist.