Auf der Erfolgsspur seit den frühen 1980er-Jahren

Im Jahr 1975 in London von Bassist Steve Harris gegründet, avancieren sie zur Hochzeit des New Wave Of British Heavy Metal Anfang der 1980er-Jahre zu einer der erfolgreichsten Bands der Welt: Iron Maiden. Mit Sänger Bruce Dickinson, der 1981 von Samson zu den eisernen Jungfrauen wechselt und den bisherigen Frontmann Paul Di’Anno ersetzt, starten sie durch. Ihr 1982er Album „The Number Of The Beast“ wird zum Millionenseller und mehrfach mit Platin ausgezeichnet. Es folgen weitere erfolgreiche Studiowerke wie „Piece Of Mind“, „Powerslave“ und „Seventh Son Of A Seventh Son“. Die Band spielt vor 100.000 Zuschauern auf dem ersten „Rock in Rio“-Festival 1985 und tourt bis zum Ende des Jahrzehnts mehrfach rund um die Welt. Keiner kann die britischen Metaller mit ihrem ureignen Sound stoppen – außer sie sich selbst.

Sängerwechsel und Karrieretief

Als Dickinson im Jahr 1993 die Formation verlässt, bedeutet dies auch einen tiefen Einschnitt in die bis dahin erfolgreiche Karriere von Iron Maiden. Die Beweggründe dafür erläutert der charismatische Sänger in seiner 2018 erschienenen Biografie „What Does This Button Do?“ ausführlich. Sein Nachfolger ist Blaze Bayley, Sänger der eher nicht so bekannten britischen Band Wolfsbane, die sich nach seinem Ausstieg auflöst. Die beiden Alben „X-Factor“ und „Virtual XI“ weisen zwar die typischen, musikalischen Markenzeichen der Band auf, können aber an die Erfolge der Dickinson-Ära nicht anknüpfen. Auch die Solo-Karriere des ex-Sängers stagniert und so wird im Jahr 1999 die Rückkehr zur Band verkündet. Mit ihm kehrt auch der 1989 ausgestiegene Gitarrist Adrian Smith zurück und fortan stehen drei Gitarristen im Line-up. Das 2000er-Werk „Brave New World“ markiert den ersten Schritt zum bis heute anhaltenden zweiten Frühling der Band. Die letzten drei Alben werden international zu Nummer-1-Alben und festigen den weltweiten Status als eine der größten Metalbands aller Zeiten.

„Senjutsu“ – Unser erster Höreindruck

Das siebzehnte Studio-Album Senjutsu ist laut Aussagen von Dickinson zwar bereits seit zwei Jahren aufgenommen, doch Informationen dazu wurden bis Mitte Juli dieses Jahres zurückgehalten. Es kommt als Doppel-Album daher und umfasst zehn neue Kompositionen. Der Opener und gleichzeitig Titeltrack kommt im Midtempo daher und weist den Weg ins Album, das sich den musikalischen Weg des 2015er-Vorgängers „Book Of Soul“ fortsetzt. „Stratego“ nimmt etwas Geschwindigkeit auf, bewegt sich für Iron Maiden-Verhältnisse aber ebenfalls im gemäßigten Bereich. Das vorab veröffentlichte „Writing On The Wall“ verfügt über ein beinahe lateinamerikanisch angehauchtes akustisches Intro, das von einem folkigen Road-Southern-Rock-Riff abgelöst wird. Spätestens hier wird klar, dass sich die Band endgültig von den schnellen „Quickies“ á la „Can I Play With Madness“, „Two Minutes To Midnight“ oder auch „Run To The Hills“ verabschiedet hat. Ein Umstand, den konservative Fans bereits beim Vorgänger kritisierten.

Hier ein Eindruck von „The Writing On The Wall“

„Lost In A Lost World“ beginnt langsam, um sich dann stetig zu steigern und im Verlauf mit Soloeinlagen zu brillieren, wie es nur Iron Maiden beherrschen. Doch die Band hat die Fans der kurzen Songs nicht vergessen und begeistert traditionell orientiert im Vierminüter „Days Of Future Past“ mit bewährtem Songaufbau. Die folgenden mehr als 47 Minuten (was früher schon mehr als eine Albumlänge gewesen wäre), teilen sich zwei Siebenminüter und drei, über zehn Minuten lange Kompositionen. „The Time Machine“ steigt langsam, mit einem getragenen Akustikintro ein und entwickelt sich zu einer typischen Midtempo-Nummer. Der Titel „Darkest Hour“ beschreibt die Gesamtstimmung dieses Songs, die dunkel, grüblerisch und nachdenklich ist, angetrieben von verzweifelten Akkorden und mystischen Melodien während der zurückgenommenen Strophe. Es wird mit Meeresrauschen eröffnet und fadet mit ebensolchem aus.

Ein markantes, ohreingängiges, getragenes Gitarrenspiel eröffnet „Death Of The Celts“. Dickinson wird erneut zum Erzähler und passend zum Thema herrschen keltisch anmutende Klänge vor, die den Song langsam und beinahe unendlich anwachsen lassen. Ein sehr langes instrumentales, sich aufbauendes Intro leitet „The Parchment“ ein, bei dem Dickinsons Gesang erst nach etwas über zwei Minuten Spieldauer einsetzt. Der gesamte Song bewegt sich im eher getragenen Tempo, überzeugt aber zum Ende mit „typischen“ Gitarreneinlagen, orchestralen Synthi-Klängen und dem üblichen Wechselspiel der Soli. Das abschließende „Hell On Earth“ startet ebenfalls mit einem sehr langem, melodischem Intro im typischen Bandsound mit ganz leichten Erinnerungen an „When The Wind Blows“ von „The Final Frontier“. Nach über zwei Minuten ein Tempowechsel und endlich rockt es nach vorne los. Der Gesangseinsatz startet ab Minute 3:30. Dieser Track ist von der Instrumentalseite am dichtesten an den Großtaten der Band und auch die Gesangslinien sind eingängig und eben typisch Iron Maiden.


Fazit

„Senjutsu“ ist ein ambitioniertes Metal Werk mit großem Potenzial, das bei jedem Hördurchgang wächst. Sehr ausgefeilte Kompositionen, die aber oftmals viel zu sehr in die Länge gezogen sind und nicht auf den Punkt kommen. Wenn früher ein XXL-Song auf den Alben war, dann konnte das begeistern, nun sind es fast nur überlange Kompositionen, da bedarf es schon einiges an Offenheit dafür. Es ist sicherlich ein großartiges Album und stellt Iron Maiden anno 2021 dar, doch die musikalische Entwicklung wird bei vielen alteingesessenen Fans nicht unbedingt ausschließlich auf Gegenliebe stoßen.

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