Credit: Melanie Pongratz

Unbesehen aller aus Künstlerperspektive zweifellos berechtigter Kritik bleiben die Streaming-Portale immer noch die aktuell reichweitenstärksten Medien, um die eigene Musik der breiten Menge zugänglich zu machen. Und zwar ohne physische Tonträger weltweit. Doch genau diese Welt befindet sich gegenwärtig in Aufruhr, insbesondere durch die auch auf Spotify immer präsenter werdende Künstliche Intelligenz. Die Debatten sind erhitzt bis gereizt.

Artists im Allgemeinen, Producer und Songwriter im Besonderen befürchten massive Nachteile und malen wahre Teufelsszenarien an den musikalisch düsteren Himmel. Andere wiederum sehen in der KI extremes Potenzial und sind überzeugt, dass die algorithmisch gestützte Generierung von Musik ihnen erstens neue Welten eröffnet und zweitens reichlich die Konten füllen könnte. Wie nahezu überall scheinen die Fronten durchaus verhärtet.

BRISANTES THEMA – LEUTE, WIR MÜSSEN REDEN

Das birgt leider die Tatsache, dass so manche Statements nicht mehr allzu konstruktiv sein können. Und mangelnde Konstruktivität sorgt grundsätzlich dafür, dass stichhaltige Argumente unbedacht unter den stiefmütterlichen Teppich gekehrt werden. Wir sollten einander zuhören und überlegen, ob es Grenzen zwischen extremem Potenzial und Risiken der angeblich selbstlernenden Bits und Bytes gibt.

ETLICHE FRAGEN SIND BISLANG UNBEANTWORTET

Widmen wir uns erstmal den Fakten. Bereits dort müssen wir das Thema der KI auf gleich mehreren Ebenen definieren und eingrenzen: Im Fokus stehen Fragen danach, ob KI-generierte Musik überhaupt emotional sein kann, ob solche Musik eine künstlerische Leistung darstellt und ob sie die Musiker ins arbeitslose Abseits stellt. Aufgrund der Aktualität keinesfalls zu vergessen: Akzeptieren Streaming-Portale wie der Branchen-Primus Spotify mit Künstlicher Intelligenz generierte Musik?

STREAMING-DIENSTE GLEICH DOPPELT IN DER VERANTWORTUNG

  • Nutzen sie die vorhandenen Tools oder werden die Plattformen auf jeweils eigene KI-Modelle setzen?
  • Und schlussendlich: Wie wird sich KI auf die Playlists und die Reihenfolge der Songvorschläge im Online-Sektor auswirken?
  • Mit welchen Attributen werden Playlists – und somit potenzielle Einnahmen – gesteuert?
  • Nach welchen Kriterien wird Spotify die Titelauswahl eingrenzen?
  • Und ist Spotify möglicherweise selbst ein Opfer der Algorithmen?

ANFANGS WAR SPOTIFY DIE ANTWORT AUF RAUBKOPIEN

Kurioserweise glaubt kaum noch jemand an einen verantwortungsvollen Umgang mit KI-Modellen bei Spotify. Eigentlich schade, dass der Streaming-Dienst sich in den letzten Jahren und Jahrzehnten diesen etwas zweifelhaften Ruf erarbeitet hat. Immerhin wurde er einst als Antwort gegründet, um sich den aufkommend massenhaften Raubkopien entgegenzustellen.

WENN EIN GESCHÄFTSMODELL SICH AUF DEN KOPF STELLT

Kein Scherz, Spotify wollte anfangs gewissermaßen so was wie eine einkommens- und copyrightsichernde Gewerkschaft für Musikschaffende darstellen. Das Portal hatte den Raubkopien den Kampf angesagt.

Dass das längst nicht mehr zum Geschäftskonzept gehört, ist allgemein insbesondere bei den weniger bekannten Künstlern hinlänglich bekannt. Aber genug der klagenden Philosophie, wir wollten uns den Fakten widmen.

SO HEISS WIRD DIE SUPPE DANN DOCH NICHT GELÖFFELT

Grund genug gibt es dafür, denn die sind tatsächlich erstaunlich bis verblüffend. Im Verständnis der Allgemeinheit wird Künstliche Intelligenz die Denkfähigkeit der Menschen alsbald überrollen. Gefühlt denken allesamt, KI sei mit selbstlernenden Algorithmen erst in den letzten ein, zwei Jahren auf die hyperschnelle Überholspur aufgesprungen.

So schnell? Verdammt, da muss man doch zweifellos Angst haben. Wer sollte da noch mithalten können? Und wenn die Dinger auch noch eigenständig denken können, wo kommen wir da hin? Immer ruhig Blut, kann man da nur sagen. Auch dies ist eine Suppe, die nicht so heiß gelöffelt wird, wie sie gekocht wird.

KI IST NICHT NEU UND ERST RECHT NICHT INTELLIGENT

IT-Forschende definieren verschiedene KI-Modelle. Und die sagen vor allem eins: „KI ist erstens keineswegs neu und zweitens nicht annähernd intelligent.“  Dabei handelt es sich ganz einfach nur um Programme, die von Menschen mit Daten gefüttert werden und sich an Datenbanken „nähren“. Das Einzige, was wirklich neu ist, sind die gestern noch unfassbaren Rechenleistungen und Geschwindigkeiten.

Zumal absehbar ist, dass die Technologie sich aufgrund ihres praktischen Nutzens nicht aufhalten lassen wird, wird in Fernost gegenwärtig massiv in den Aufbau von Fabriken zur Produktion von Chips investiert. Also nicht in die, die man abends bei der nächsten Netflix-Doku in sich reinstopfen kann, sondern die benötigten Datenträger.

Kannst du dir vorstellen KI-Tools bei der Produktion von Musik zu verwenden?

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TATSÄCHLICH KANN KÜNSTLICHE INTELLIGENZ SOGAR LEBEN RETTEN

Nun müssen wir uns vor Augen halten, dass es Branchen gibt, in denen KI gerade aufgrund der Schnelligkeit extreme und auch moralisch unbedingt konsistente Vorzüge impliziert. So beispielsweise in der Medizintechnik. Speziell betrifft das gegenwärtig die bildgebende Diagnostik, also die Radiologie. Über KI können MRT- und Röntgenbilder weitaus schneller ausgewertet werden, als ein Facharzt dazu imstande wäre. Die Zeit ist für viele Patienten ein lebenswichtiger, nicht selten lebensrettender Faktor.

POTENZIELL ERKRANKTE HABEN SCHLICHTWEG KEINE ZEIT

Denn Menschen mit einer Krebsdiagnose haben keine schlichtweg keine Zeit. Werden etwaige Anzeichen für eine Erkrankung auf den Bilder übersehen, können Tumore bis zur nächsten Kontrolle bereits unheilbar herangewachsen sein. Auch sind die Mediziner unterstützt durch KI imstande, viel mehr Fälle bearbeiten zu können. Wem bringt es etwas, wenn potenziell Erkrankte ein halbes Jahr auf einen Termin warten müssen, weil die diagnostischen Ärzte schlichtweg nicht hinterherkommen?

Okay, dieser Ausflug war zwar nicht musikalisch, zeigt aber unmissverständlich, weshalb man nicht alles Neue erstmal verteufeln sollte. Angst hat man nur vor dem, was man nicht kennt. Auch das Rad wurde irgendwann mal erfunden. Es rollt noch immer. Tatsache ist: Digitale Innovation kann Leben retten. Und sie tut es längst.

AUCH DIE MUSIK WURDE LÄNGST VON KI GEKAPERT

Eine durchaus neue Entwicklung soll sein, dass die KI nunmehr auch die Welt der Kreativität für sich entdeckt hat. Bitte nicht! Neu? Auch das ist nicht mehr neu. Schon vor Jahren wurden mit KI und AR legendäre Kompositionen auf neue Weise nachgestellt. Wir erinnern uns zum Beispiel daran, dass in einem Projekt ganz einfach mal die 10. Sinfonie – die Unvollendete – von Beethoven vervollständigt wurde. Mithilfe von Künstlicher Intelligenz wurden der dritte und vierte Satz erstellt und bereits im Jahr 2021 auch uraufgeführt.

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KI SAUGT SICH MUSIK AUS DATENBANKEN: ALLES COPY ODER WAS?

Der gute alte Beethoven hatte das nicht mehr geschafft. Der war bereits 1827 verstorben. Sollte man solche KI-generierte Musik überhaupt verbreiten? Wo ist die konkrete Grenze und gibt es überhaupt eine? Immerhin wurden in der Vergangenheit immer wieder Künstler vor den Richter gezerrt, weil kurze Parts ihrer Grooves kopiert waren. Bei KI-Musik ist jedoch grundsätzlich alles von irgendwo kopiert. Das ist das Prinzip. Nun, Spotify gibt eine eindeutig zweideutige Antwort:

EINDEUTIG ZWEIDEUTIGE ANTWORT VOM SPOTIFY-CHEF

Ende 2023 äußerte sich Spotify-Chef Daniel Ek zu der Thematik. In einem Interview mit BBC-News erklärte er, dass die Streaming-Plattform per KI-generierte Musik nicht grundsätzlich verbieten werde. Seiner Meinung nach könne Künstliche Intelligenz in diversen Bereich durchaus nutzbringend eingesetzt werden. Nur dürfe sie eben nicht dazu verwendet werden, um Artists und deren Stimmen zu imitieren. Diese Äußerung von Daniel Ek hatte einen ganz realen uns so überhaupt nicht virtuellen Hintergrund.

SPOTIFY WAR MIT KI-FAKE AUF DIE FRESSE GEFALLEN

Immerhin stand Spotify kurz zuvor vor einem massiven Problem im Zusammenhang mit Künstlicher Intelligenz. So hatte der Song „Heart On My Sleeve“ innerhalb von lediglich 48 Stunden über 20 Millionen Streams erreicht. Und musste von Spotify dann schnellstens wieder entfernt werden. Der Grund: Es handelt sich um einen KI-generierten Song mit den Fake Stimmen von Drake and The Weeknd. Viele Grüße aus dem KI-Copyshop.

URHEBERRECHT UNGEKLÄRT, TROTZ UNZWEIFELHAFTER TATSACHEN

Umso riskanter war die Veröffentlichung, als die Urheberrechtsfragen bei Musik mit KI noch lange nicht geklärt sind. Und da kann Spotify als Verantwortlicher bekanntlich so richtig was auf den Sack kriegen. Dabei ist die Schlussfolgerung eigentlich ebenso simpel wie eindeutig. KI arbeitet ausschließlich mit vorhandenen Daten. Zwar sind das oftmals winzige Fragmente, die sie auf spezielle Art und Weise wieder zu einem großen Ganzen verfügt. Doch welches und wie klein das Fragment auch immer sein mag: Es existiert bereits und ist somit geklaut.

GUTER SCHAUSPIELER ODER PRINZIP NICHT BEGRIFFEN?

Genau aus diesem Grund sind die Statements des Spotify-Chefs auch nicht so ganz nachvollziehbar. Immerhin unterteilt er die Anwendungen in drei verschiedene Segmente. Die Verwendung als eine Art Werkzeug wie Autotune soll seiner Meinung nach akzeptabel sein. Die Verwendung für Songs, die von speziellen Künstlern inspiriert werden, bezeichnet er zumindest als fragwürdig. Inakzeptabel hingegen soll die erkennbare Imitation von Personen sein. Entweder ist er ein guter Schauspieler oder er hat das Prinzip von KI in der Musik nicht begriffen.

ALLES PER DATENBANK GENERIERTE KANN NUR EIN IMITAT SEIN

Schlichtweg alles, was KI ausspuckt in ein Imitat. Oder wie war das noch gleich mit der Stammzellenforschung und dem Klonverbot? Noch mal, um die Dimensionen plakativ zu verdeutlichen: Der Fake-Song „Heart On My Sleeve“ wurde sogar zunächst für jeweils einen Grammy in den Kategorien „Bester Rap-Song“ und „Song des Jahres“ nominiert. Aus nachvollziehbaren Gründen wurden die Nominierung wieder einkassiert.

WENN DIE STREAMING-PORTALE SICH SELBST ÜBER BORD WERFEN

Unbesehen dessen sind die Dimensionen immens. Tagtäglich werden knapp 50.000 neue Songs auf Spotify hochgeladen. Und natürlich sollen allesamt nicht nur dazu dienen, den Bekanntheitsgrad eines Songs oder Künstlers zu steigern. Es geht schlichtweg um Kohle. Je mehr Titel du hochlädst, umso höher ist natürlich auch die Wahrscheinlichkeit, durch Klicks Geld damit zu verdienen. Nur sind ja auch KI-Modelle nicht auf dem digitalen Baum aufgewachsen.

KI MIT DER WITTERUNG DER DUFTENDEN TANTIEMEN IN DER NASE

Vielmehr haben die den Duft der großen Tantiemen gewittert und wollen sich offensichtlich auch ihren Teil des Kuchens abschneiden. So wurde bei Spotify kürzlich festgestellt, dass über das KI-Startup Boomy tausende von Streams auf das Portal hochgeschoben wurden. Zumindest der Verdacht ließ sich nicht entkräften, dass via Boomy endlos viele Tracks zunächst erstellt und im nächsten Stepp mithilfe von Bots gestreamt wurden. Dahinter stand natürlich die Absicht, die Tantiemen-Kasse klingeln zu lassen bis der Arzt kommt.

MILLIARDEN STREAMS AUF SPOTIFY STAMMEN NICHT AUS MENSCHENHAND

Obschon der Konflikt mit Boomy ausgeräumt werden konnte, geht man aktuell davon aus, dass rund 7 Prozent der ausgespielten Streams nicht menschlich sind, also über KI-generiert werden. Die Flut wird dann mit ebenfalls virtuellen Profilen rund um die Uhr gestreamt. Bezahlt wird bekanntlich nach Anzahl der Streams. Was die durchaus als kriminell zu bezeichnenden Akteure da veranstalten, sind immerhin Milliarden von KI-Songs. Und das dabei Interessante bis Kuriose in Form der Major-Labels: Die hatten ab etwa der 90er-Jahre den Einsatz von KI sogar unterstützt und auch für eigene Zweck über Bots genutzt. Spätestens bei der aktuellen Entwicklung hatten sie sich selbst ins musikalische Umsatzknie geschossen.

ES RAUSCHT SO SCHÖN IM KI-GENERIERTEN TANTIEMEN-WALD

Und nun halten wir uns doch noch mal vor Augen, dass insbesondere die Spotify-Profile, die sich nicht mit originärer Musik, sondern mit Wellness-Klängen, Hintergrundbeschallung und Co. beschäftigen, das Portal ebenfalls überfluten. Allein ein Profil mit weißem Rauschen auf zwei verschiedenen Hertz-Zahlen im Angebot, die gemeinsam über eine Milliarde (!) Mal abgerufen wurden. Und was bitte ist nun einfacher für eine KI, als synthetische Klänge zu erzeugen und sie im nächsten Stepp auf dem Streaming-Dienst auszurollen, dann haufenweise Fake-Profile per Bot darauf anzusetzen und somit reichlich Einnahmen zu generieren?

DRINGEND UND SCHNELLSTEN MÜSSEN KLARE SPIELREGELN HER

Und exakt an dieser Stelle verdeutlicht sich eines der Hauptprobleme von KI auf Spotify bzw. dessen Umgang mit der Technologie. Der Streamingdienst unternimmt dagegen schlichtweg nichts, obschon es vergleichsweise einfach möglich wäre. Die Tantiemen werden aus einem großen Topf generiert. Was die KI-Sound-Streams sich einverleiben, steht den menschlichen Künstlern nicht mehr zur Verfügung.

ES MÜSSEN DRINGEND KLAR GREIFBARE SPIELREGELN HER

Unter dem Strich steht, dass wir Musiker vor Künstlicher Intelligenz und den dahinterstehenden Algorithmen keine Angst haben sollten. Aber die Akteure am Markt wie eben Spotify müssen dringend ganz klare Spielregeln festlegen, damit das Portal – das war der ehemalige Grundgedanke – weiterhin der Marktplatz für menschliche Musiker bleibt. Ansonsten rauscht alsbald gar nichts mehr. Erste Gespräche für Gesetzesinitiative für den Musikstreamingmarkt werden auch schon geführt wie zum Beispiel bei der Polytisch-Diskussion im Europäischen Haus von Polyton.

KURIOS ABER TATSACHE: SPOTIFY IST SELBST IN DER OPFERROLLE

Das Paradoxe an der potenziellen und zugleich recht wahrscheinlichen Entwicklung ist, dass der vielgescholtene Player Spotify, bei den erwartbaren Replikationen keinesfalls zu den Hauptverantwortlichen gehört. Ganz andere kleinteilige Independence-Anbieter werfen mit ihrer Spezialisierung Fragen auf. So der eben bereits genannte Dienst von Boomy mit den „rauschenden“ Loops und Fragmenten. Die erscheinen zwar qualitativ eher unbrauchbar, können sich allerdings im eingeläuteten KI-Zeitalter entwickeln und die Label-Musik überfluten.

ECHT DREIST: STIMMEN DER STARS AUS DEM DIGITALEN COPYSHOP

Musixy hat sich sogar darauf konzentriert, algorithmisch nachgezeichnete Coversongs mit gefakten Stimmen bekannter Mega-Stars zu bestücken. Frei nach Wahl lassen sich bei diesem dann doch etwas obskuren Dienst die absurdesten Verknüpfungen erstellen. Soll Dua Lipa plötzlich Metal a la Wacken singen, soll Maria Carey norddeutschen Shantys ihre Stimme aufdrücken? Mag auch sein, dass Michael Jacksons Stimme in einem Malle-Brüller wieder zum Leben erweckt wird. Zweifellos ist das alles ziemlich dreist; die Urheberrechtsanwälte freuen sich schon auf Tonnen von münzklingender Arbeit.

KI-SONG SOLL SOGAR ZUM GRAMMY-SIEGER WERDEN

Die letzte Grammy-Nominierung von KI-generierter Musik konnte tatsächlich nur deshalb abgewehrt werden, da der Song zum Zeitpunkt der Auswertung und Bewertung nicht (mehr) veröffentlicht war. Das aber ist eine der Grundvoraussetzungen für eine Grammy-Nominierung. Auch der Musixy-Gründer Can Ansay gibt sich fatalistisch selbstbewusst und bedenkenlos. Sein erklärtes Ziel: Er will einen KI-generierten Song zum Grammy-Sieger machen. Was die Jurisprudenz und die Musiker dazu sagen, interessiert ihn nicht. Es ist sein Geschäftsmodell; er bezeichnet sich sogar als Retter der Branche.

MANIPULATIONSVERSUCHE GAB ES SCHON VOR KI

Dass die Playlists – letztlich das aktuelle Pendant zu den einstigen TOP 100 Musik-Charts bei MTV – per KI infiltriert und mächtig durcheinandergeschüttelt werden können, ist nicht von der Hand zu weisen und hat dabei gleich mehrere Komponenten. Versuche, durch Fake-Streams oder erkaufte Listenplätze auf die Playlisten zu kommen, hat es eigentlich immer gegeben.

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Auch haben etliche vermeintliche Artists getrickst mit dem Versuch, die Metadaten zu fälschen. Solche Versuche wurden – sofern erkannt – von Spotify, weil illegal, massiv abgestraft. Von solchen Mahenschaften sollte man unbedingt absehen. Es drohen empfindliche Geldstraßen und die Rückforderung der illegal einkassierten Tantiemen.

ANTEIL VON KI-BETEILIGUNG SCHWER IDENTIFIZIERBAR

Nur ist es bei KI-Musik sogar so, dass die Enttarnung vergleichsweise schwer und nicht verlässlich ist. Bei Fake-Stimmen und offensichtlich kopierten Parts, bei denen die Produzenten auch noch mit dem KI-Argument werben, ist das kein Problem.

Bei anderen Songs, die in der KI-Werkstatt entstanden sind, geraten die Prüfprogramme an ihre Leistungsfähigkeit. Zwar existieren inzwischen sogenannte KI-Detektoren, mit denen belegbar sein soll, zu welchem Prozentsatz ein Werk mithilfe Künstlicher Intelligenz entstanden ist. Doch die Trefferquote bleibt fragwürdig.

ANSATZ VON KI-DETEKTOREN VERMEINTLICH EINLEUCHTEND

Dafür lediglich ein Denkanstoß: Ein Student wurde erst vor Kurzem mit einem eigens entworfenen und natürlich ebenfalls auf Algorithmen basierenden KI-Detektor für geschriebene Texte bekannt. Der soll in der Analyse feststellen können, wie viel eines Textes von KI-generiert wurde. Der detektivische Gedanke klingt einleuchtend. Und das Programm schien auch den Beweis zu erbringen, spuckte beispielsweise bei Zeitungsartikeln oftmals einen KI-Anteil von mehr als 50 Prozent aus.

WENN KI SICH PLÖTZLICH SELBST ALS URHEBER BEGREIFT

Dann gaben gewarnte Texter ihre eigenen Skripte in den KI-Detektor zur Überprüfung ein und erhielten erstaunliche Resultate. So mancher überprüfte Text wurde mit hohen KI-Anteilen bewertet. Erstaunlich deshalb, zumal manche der geprüften Texte nachweislich Jahre bis Jahrzehnte zurückliegend veröffentlicht worden waren. ChatGTP und Co. gab es damals noch nicht. Die Erkenntnis: Erst im Umkehrschluss wird ein passender Schuh daraus. KI basiert auf dem Vorhandenen. Und plötzlich behauptet sie, bereits Vorhandenes käme von ihr. Auch nicht schlecht.

FAZIT: EIN PROBLEM IN BISLANG UNBEKANNTER DIMENSION

Nicht anders wird das auf lange Sicht in der Musik sein. Das heißt nichts Geringeres, als das die digitale Datenflut sich selbst frühstücken wird. Im Resultat würde das bedeuten, dass irgendwann nicht mehr die KI-Kopie, sondern das Original angeblich algorithmisch entstanden sein soll. Dann ist nicht mehr die Vollendete von Beethoven die Kopie, sondern die Unvollendete. Die Branche hat tatsächlich ein Problem. Und die potenzielle Dimension ist bislang noch nicht mal ansatzweise angekratzt.

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