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Natürlich kennt jeder von uns diese Art Musikvideo, bei der zahllose Statisten in einer atemberaubenden Location (die vermutlich ziemlich viel Miete gekostet hat) einer Szenerie beiwohnen, die selbst in Hollywood nicht negativ auffallen würde. Das kann dann schon ein wenig wehmütig machen, wenn man an das Budget denkt, das man selbst zur Verfügung hat für sein eigenes Musikvideo. Auf der anderen Seite muss man sich aber fragen: Braucht es all das große Drumherum eigentlich, um ein gutes Musikvideo zu sein? Und die Antwort ist hier ganz klar: Nein!

Es gibt auch viele Möglichkeiten mit einfachen Mitteln ein DIY Musikvideo zu drehen oder sogar eventuell auch ein No-Budget Musikvideo. Gerade, wenn man sich etwas mit der Post-Production auskennt, kann im Nachhinein noch viel rausgeholt werden. Wenn du wissen willst, was du dafür benötigst und wie du mit wenig Geld bald dein Video bei YouTube hochladen kannst, erfährst du in diesem Artikel!

Wer benötigt ein Low Budget Musikvideo?

Jeder fängt einmal klein an, und wer ernsthaft glaubt, die techniküberflutete Bühnenshow beim großen Festivalheadliner würde automatisch bedeuten, dass die Qualität der Performance besser ist als die einer leidenschaftlichen DIY-Band im dunklen Kellerclub, der hat wahrscheinlich noch nicht viel echte Künstlerluft geschnuppert. Denn all das teure Schnickschnack kann nie die Leidenschaft ersetzen, die man besonders im Underground-Bereich vorfinden kann. Und so verhält es sich dann auch beim Musikvideo.

Low Budget Musikvideos können von einer Vielzahl an Genres umgesetzt werden, jedoch ist der Aufwand immer an folgenden Punkten zu bemessen:

  • Wie viele Personen sollen an dem Musikvideo beteiligt sein?
  • An wie vielen unterschiedlichen Orten soll das Video gedreht werden?
  • An wie vielen Tagen soll das Video abgedreht werden?
  • Welchen Zeitdruck habt ihr das Musikvideo zu veröffentlichen?

An diesen Fragestellungen kann sich orientiert werden um den Aufwand abschätzen zu können. Natürlich muss gesagt werden, dass ein Musikvideo für einen ruhigen 3 Minuten Song eines Singer-Songwriters vermutlich leichter zu drehen sein wird, als ein Musikvideo für eine 6 Köpfige Band, welche einen 5 Minuten Song haben. Umso mehr BPM der Song hat, desto sind in den meisten Fällen auch mehr Schnitte notwendig. Hier ist unsere Checkliste für euren Ablauf:

  • Marktplätze oder Social Media-Gruppen nach Mitstreitern absuchen
  • Ein detailreiches Drehbuch schreiben
  • Requisiten zeitnah besorgen und ggf. testen
  • Instrumente und Technik rechtzeitig auf Vordermann bringen
  • Eine geeignete Location suchen
  • Abklären, wo und was ihr drehen dürft
  • Beim Dreh Geduld haben, da sich Szenen oft wiederholen
  • Eine gute Leistung bringen
  • Keine Angst vor Lampenfieber haben
  • Immer alles miteinander kommunizieren

Kommen wir aber nun zu unserer Schritt-für-Schritt Anleitung, wo wir alle Punkte genauer erklären.


Schritt 1: Die Planung

Nehmen wir an, ihr seid eine Band aus vier, fünf Leuten, und wenn ihr Glück habt, habt ihr vielleicht noch ein paar Freunde, die auch ganz gerne mitmachen möchten. Und nun kommt es darauf an, eure Musik nicht nur runterzuspielen, sondern wirklich zum Leben zu erwecken. Auch auf der Bühne sollte ein Musiker zumindest ein Stück weit Schauspieler sein – im Low Budget-Musikvideo muss er es dann endgültig sein, denn eine Gage für professionelle Schauspieler ist schließlich nicht vorhanden. Und während man als Musiker schon ziemlich viel Technik-Know-How haben muss, um seine Musik auf die Bühne zu bringen, kann man nun im Musikvideo auch gleich in die Rolle eines Filmemachers schlüpfen. Medienübergreifende Kunst – ist das nicht herrlich?

Wie bei allem ist eine gute Planung das A und O. Wer denkt, man kann sich einfach einen Nachmittag treffen, ein bisschen die Kamera draufhalten und gut ist, der hat sich geschnitten. Bevor das Low Budget-Musikvideo gedreht werden kann, muss einiges an Vorarbeit geleistet werden. Am besten teilt ihr euch hier ein wenig auf, denn geteilte Arbeit ist schließlich am Ende für alle auch weniger Arbeit. Während der eine Leute mobilisiert, kann der andere sich schon mal ans Drehbuch begeben. Vergesst natürlich am Ende nicht, euch miteinander abzusprechen und in alle aktuellen Planungsstände einzuweihen, um Chaos und unangenehme Überraschungen zu vermeiden.

Schritt 2: Mitstreiter finden

Derjenige, der Leute mobilisieren soll, wird erstmal Ausschau halten nach jemandem, der günstige Musikvideos anbietet. In Anbetracht des Budgets sollte man hier logischerweise keine Filmproduktionsfirma anschreiben, sondern die Augen aufhalten, wo sich freischaffende Künstler tummeln. Je nach Region gibt es zum Beispiel lokale Szenemagazine, die Online-Marktplätze haben, auf denen sich Musiker und andere Kulturschaffende vernetzen und finden können. Auch in Social Media finden sich entsprechende Gruppen wie beispielsweise diese hier, die der Vernetzung dienen.

Viele Leute bieten hier auch an, günstige Musikvideos zu drehen, wenn sie es zum Beispiel nebenberuflich oder als Hobby machen oder selbst noch in der Ausbildung eines kreativen Berufs sind. Stichwort Ausbildung: Viele Studenten von kreativen Fächern bieten mitunter auch völlig kostenlos ihre Dienste an, wenn sie beispielsweise Erfahrung sammeln wollen oder ein Musikvideo als eine Abschlussarbeit an einer Fachhochschule anfertigen müssen. Mit ein bisschen Glück könnt ihr hier vielleicht sogar qualitativ richtig hochwertiges Equipment an Land ziehen, und das mit noch viel mehr Glück vielleicht sogar kostenfrei!

Solltet ihr niemanden finden können, ist das aber auch kein Grund zu verzagen. Heutzutage können Smartphones mitunter verdammt hochwertige Videos drehen. Und je nach Inhalt eures Low Budget-Musikvideos muss es nicht mal ein richtiges Kamerateam sein, wenn der Sinn und Zweck des Musikvideos auch durch ein Handy perfekt erfasst werden kann.

Schritt 3: Das Drehbuch

Gehen wir davon aus, dass ihr jemanden gefunden habt, der euch kostengünstig Technik und Expertise zur Verfügung stellt. Nun möchte derjenige wissen, was genau er für euch drehen soll. Und an dieser Stelle hoffen wir, dass das Team Drehbuch genauso gute Arbeit geleistet hat wie das Team Mobilisierung. Denn ohne Drehbuch wird das Musikvideo vermutlich im Desaster enden.

Keine Angst, natürlich muss es nicht gleich ein handgezeichnetes Storyboard sein, bei dem jede Millisekunde des Musikvideos akribisch festgehalten wird. Spontanität und Flexibilität bleiben gute Dinge, die einem Musikvideo oft sicher nicht gerade schaden. Aber ganz wichtig ist der grobe Handlungsplan. Wollt ihr drei Minuten lang nur aus allen möglichen Winkeln dabei gefilmt werden, wie ihr euren Song performt? Oder sollen noch andere Dinge passieren, zum Beispiel Statisten als Publikum um euch herum zelebrieren? Vielleicht schwebt euch auch eine kleine Handlung vor, die ihr als Schauspieler gern darstellen würdet? All das muss festgehalten und durchdacht werden. Und am besten macht ihr euch direkt schon Gedanken über die grobe Reihenfolge der einzelnen Szenen. Hat jemand eine sehr konkrete Vorstellung, aus welchem Winkel er gern welche Szene von sich sehen würde? Dann alles genauestens notieren, denn je besser die Planung vorab, desto geringer das Risiko, dass später etwas vergessen wird oder nicht so umgesetzt wird, wie man es sich eigentlich vorgestellt hatte.

Schritt 4: Die Wahl der Location

Beim Drehbuchschreiben werdet ihr merken, dass ihr auch eine oder mehrere Locations braucht. Auch hier nicht verzagen, denn man muss nicht immer zu den Sternen greifen, um gute Ergebnisse erzielen zu können. Jeder von euch wohnt irgendwo – kann man das Zuhause vielleicht direkt schon als Drehschauplatz verwenden? Oder wie wäre es mit eurem Proberaum? Vielleicht ist wenige Meter von eurem Proberaum entfernt ja auch ein Fleckchen, das sich wunderbar als Kulisse machen würde. Schaut euch hier unbedingt gut um und überlegt, welche Örtlichkeit sich anbieten würde, den Inhalt eures Low Budget-Musikvideos perfekt zu untermalen. Und vergesst natürlich ggf. nicht, die Leute zu fragen, die hier ein Mitspracherecht haben, z.B. Vermieter, Nachbarn etc.

Und was, wenn diese Locations alle nicht hergeben, was ihr euch vorgestellt habt? Dann kann man vielleicht doch einen Schritt weiter wagen, denn manchmal ist alles doch viel einfacher als man anfangs zu glauben wagt. Fragt doch einfach mal den Club eurer Wahl, in dem ihr so gern euer Video drehen würdet. Oder vielleicht hat ja auch der Onkel des Drummers eine abgelegene Lagerhalle, in der ihr ungestört spielen könntet? Manche Leute sind verdammt hilfsbereit, wenn man einfach nur lieb fragt. Und auch Clubs, Bars etc. freuen sich mitunter, wenn ihr Name am Ende in den Credits eines Musikvideos auftaucht.

Zu guter Letzt könnt ihr natürlich auch auf offener Straße drehen, aber passt hier bitte unbedingt auf, dass ihr weder andere Menschen belästigt noch ihre Persönlichkeitsrechte verletzt. Habt ihr demnächst ein Konzert? Vielleicht bietet sich ja auch der Soundcheck an, um ein paar tolle Aufnahmen von euch zu machen?

Vergesst auch nicht, wenn ihr Requisiten braucht, diese vorher zu besorgen, zu testen und bereitzulegen, damit es am Drehtag ohne Verzögerungen und Komplikationen direkt losgehen kann. Das Gleiche gilt logischerweise für eure Instrumente und sonstige Technik. Hat der Dreh erstmal angefangen, läuft die Zeit, und ihr werdet wieder einmal merken, dass gute Planung im Vorfeld sehr viel wichtiger ist als man manchmal meint.

Welcher Schritt stellt dich hierbei vor die größte Herausforderung?

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Wichtig: Keine Angst vor Lampenfieber

Und dann ist es soweit: Drehtag! Hoffentlich habt ihr nichts geplant, was so nicht umsetzbar ist, richtig? Wenn auf einmal ihr als Musiker Lampenfieber bekommt, fragt euch, was daran jetzt eigentlich anders ist als ein Gig, den ihr euch ja auch problemlos traut. Eigentlich nämlich gar nichts. Ganz im Gegenteil, ein Musikvideo macht wahrscheinlich noch viel mehr Spaß, denn hier schafft ihr etwas für die Ewigkeit und nicht nur einen kurzweiligen, netten Abend in begrenzter Runde. Da wollt ihr doch dann bestimmt euer Bestes geben, oder?

Weiter gehts: Der Drehtag

Macht euch aber auch schon einmal bewusst, dass ihr den Drehtag viel mit Wiederholungen beschäftigt sein werdet. Schließlich wollt ihr nicht nur eine Kameraperspektive haben, sondern viele interessante Schnitte und Perspektiven, damit euer Low Budget-Musikvideo auch lebendig und sehenswert ist. Das heißt dann, ihr performt euren Song gefühlt unendlich oft. Einmal aus dem Winkel, einmal aus dem Winkel, einmal Fokus auf den Sänger, einmal Fokus auf den Drummer usw. Dafür braucht ihr euren Song auch nicht in voller Perfektion abzuliefern – die Audiodatei legt euer Filmemacher schließlich später über das Bildmaterial drüber, so dass auch niemand merkt, ob ihr irgendwo mal den falschen Bund gegriffen habt oder nicht. Trotzdem achtet natürlich drauf, durchgängig eine gute und ansehbare Leistung zu bringen. Hört man den Sänger schließlich im Song wild schreien, sieht ihn im Video aber nur leise sprechen, geht die Wirkung der entsprechenden Songpassage schon ein bisschen verloren.

Post Production: Kommunikation ist der Schlüssel

Und wenn ihr einen anstrengenden Drehtag hinter euch hattet, kommuniziert mit eurem Filmemacher, wie ihr euch die Nachbearbeitung vorstellt und welche Fristen es ggf. gibt. Es ist euer Video, das heißt ihr müsst am Ende zufrieden sein. Und jeder, der seinen Namen in den Credits haben möchte, sollte auch eine gewisse Leistung dafür gebracht haben. Wenn all das am Ende passt, habt ihr ein wunderbares Low Budget-Musikvideo, das sich bestimmt nicht hinter Produktionen verstecken muss, die etliche hundert Euros gekostet haben.

Natürlich könnt ihr das Video auch selber bearbeiten, jedoch sollten dafür schon etwas Fähigkeiten vorhanden sein. Es gibt kostenlose Programme wie iMovie oder shotcut, aber auch profesionelle Programme wie Adobe Premiere. Falls ihr euch dafür entscheidet das Video selber zu schneiden, können wir euch einen Kurs empfehlen, womit ihr langfristiges Wissen erlangt zu diesem Thema.

Skizzen aus einem Storyboard, welche beim Videodreh umgesetzt worden sind.

Die Musikvideo Masterclass

In unserem Artikel haben wir euch nur einen grobe Plan vorgelegt, damit euch viele Fehler nicht passieren. Wenn ihr jedoch gerne alles alleine machen wollt, ist es wichtig das ihr eine ungefähre Ahnung von der Materie habt. Da es zwar bei YouTube viele Videos zu diesem Thema gibt, aber diese nicht von A-Z gehen und unterschiedlich aufgebaut sind, stellen wir euch diese Masterclass vor. Hier lernt ihr ganz genau inkl. verschiedene Usecases wie ihr:

  • ein Storyboard erstellen könnt,
  • Location scouten könnt,
  • den Set-Aufbau richtig macht,
  • das Licht richtig setzt,
  • sowie den perfekten Workflow im Schnitt hinbekommt

Damit spart ihr euch nicht nur viel Zeit, sonder kommt außerdem in eine Community rein, welche euch Hilft und Fragen beantwortet. Der Kurs besteht grundsätzlich aus drei Bereichen:

  1. Pre Production
  2. Video Dreh
  3. Post Production

Zwar kostet diese Masterclass auch ein bisschen Geld, jedoch wenn man das dort gelernte Wissen anwendet, spart man sich langfristig sehr viel Geld. Mit einer 14 Tage Geld-Zurück-Garantie kann man es jedoch definitiv einmal ausprobieren, ob sich diese Kurse für einen eignen.

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