Definition "unisono" Musiktheorie verstehen

Definition: Was bedeutet "unisono" ?

unisono - Dieser aus der Musiktheorie stammende Terminus ist dem italienischen Sprachgebrauch entlehnt und bedeutet das Folgende, siehe hier: im Einklang, einstimmig. Gemeint ist zunächst einmal das Verfahren, ein und dieselbe Melodie gemeinsam zu singen oder zu spielen.

Ausführliche Definition im bandup-Lexikon

Auf der Ebene der Musik findet etwas im Einklang statt. Das kann ein kleines oder größeres Gesangsensemble, den Chorgesang, eine Instrumentalgruppe oder ein ganzes Orchester betreffen. Ein und dieselbe Melodie wird musikalisch zum Ausdruck gebracht. Dabei können verschiedene Oktaven benutzt werden. Auch was die Dynamik und die Klangfarbe betrifft, bleibt die Interpretation stets diesem Verfahren entsprechend. Voraussetzung ist neben größtmöglicher Präzision die richtige innere Einstellung für das Miteinander. Dadurch finden Disziplin, das aufeinander Achtgeben und Rücksichtnehmen statt. Das einschlagende Klangergebnis bewirkt Einvernehmen, Frieden und Harmonie. Hymnenartige Effekte kommen zustande.

(Siehe: Gefangenenchor „Va, pensiero“ aus der Oper „Nabucco“ von Giuseppe Verdi) Der Zuhörer wird rundum zufriedengestellt. Dieses Anliegen verfolgte Johann Sebastian Bach zuerst. Das wird in seinen Kompositionen deutlich, in denen er erst im Nachhinein die zuvor komponierten Stimmen durch Verzierungen ergänzte. Tritt eine Einstimmigkeit hervor, ist das am Notenhals erkennbar, der sich bei ein und derselben Note und deren gleichbleibendem Wert nach oben und nach unten erstreckt. Wieland Ziegenrücker zieht in seinem Werk „Allgemeine Musiklehre mit Fragen und Aufgaben zur Selbstkontrolle“ in Betracht, dass bei einem anhaltenden „unisono“ im Notenbild noch zusätzlich der Vermerk „a due“ oder à 2 (ital.) erscheint.

Der Begriff „unisono“ stellt auch noch eine Spielanweisung für Orchestermusiker dar, durch die eine Teilung der Instrumentengruppe in zwei oder mehrere Untergruppen (siehe: divisi, ital.) aufgehoben wird. Außerdem gibt es bei den meisten Synthesizern einen Einstellungsmodus, der den Namen „unison“ (engl.) trägt. Durch das Bedienen dieser Taste wird der Modus „polyphon“ ausgeschaltet. Schlägt der Musiker nun einen Ton an, wird dieser durch alle vorhandenen Klangerzeuger verstärkt. Ein dominanter, durchdringender und präsenter Ton erfüllt den Raum. Interessierst du dich auch für elektronische Musik? Hier haben wir ein bisschen Equipment wie z.B. Synthesizer und Midi-Controller getestet.

Anwendungsgebiete

Seit Beginn der Musikgeschichte wurden im Rahmen des liturgischen Gebrauchs jeweils geistliche Werke der Mehrstimmigkeit (Polyphonie) durch geistliche Werke der Einstimmigkeit (Homophonie) ergänzt. Das fand sowohl innerhalb eines musikalischen Werkes dadurch statt, dass gregorianische Passagen ganz bewusst eingebaut wurden, als auch bezüglich der Abfolge der jeweiligen musikalischen Werke. Der dadurch entstandene Kontrast machte den Reichtum der Musikwelt früherer Epochen aus.

Die Art des „unisono“ tritt nachweislich als Erstes in einer Sonate, die im 17. Jahrhundert durch den deutschen Komponisten David Pohle entstand, hervor. Antonio Vivaldi folgte seinem Beispiel nach. In zwei seiner Konzerte aus der Sammlung „L' Estro Armonico“ führte er sogenannte Ritornelle ein, die seiner Kompositionstechnik nach dem Verfahren des „unisono“ gleichkamen. Johann Sebastian Bach gelang es mit Bravour, durch die Technik des „unisono“ kurze Übergänge zu schaffen, die einen Kontrast zum Vorangegangenen schafften und auf den weiteren Verlauf hin sensibilisierten. Als Beispiel dafür sei nur der erste Satz des 3. Brandenburgischen Konzertes, BWB 1048, genannt.

 

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Hören wir das Musikstück „Eine kleine Nachtmusik“ von W. A. Mozart, finden wir ein Beispiel für das Komponieren nach dem „unisono“ Verfahren gleich zu Beginn. Das Kompositionsverfahren des „unisono“ passt nicht in das Schema des Zeitalters der Moderne hinein. Seit den achtziger Jahren wurden aber durch Komponisten wie z.B. Karlheinz Stockhausen bestimmte „unisoni“ mit exakt ausgeführten, kleine Abweichungen komponiert. Dieser Begriff ist als fester Bestandteil der deutschen Sprache als Adverb und Nomen im Duden enthalten und beinhaltet jeweils immer eine einheitliche Vorgehensweise.

Die Rotmarkierung in dem nachfolgenden Beispiel kennzeichnet alle Gesangs- und Instrumentalstimmen, die als „unisono“ auskomponiert wurden.

Bildquelle: Wikipedia

 

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