Lesedauer: 2 Min.

Seit März 2020 sind für Musiker nahezu alle Möglichkeiten weggebrochen, sich bei Orchestern, an Opernhäusern oder auf dem freien Markt zu präsentieren. Die Forderung nach schnellen und unbürokratischen Bundesförderung für selbstständige Musiker ist seitdem ein wichtiges Anliegen, das von vielen deutschen Stars der Szene unterstützt wird.

In einem offenen Brief bezeichneten es internationale Musikstars als „unfassbar“, dass deutsche Staatshilfen für Unternehmen wie Adidas schnell angeboten werden, während selbständige, ausgebildete Musiker und Künstler in den nächsten acht bis zwölf Monaten mit drastischen Einkommenseinbußen rechnen müssen.

Arbeitsrechtlich kaum abgesichert

Ein großer Nachteil für die Künstler ist dabei auch, dass diese sich häufig in Selbstständigkeit befinden. Ein Großteil der Musikszene arbeitet ohne Festanstellung, ist in der Regel arbeitsrechtlich wenig abgesichert und unterliegt keinem Kündigungsschutz. Monika Grütters, Bundesministerin für Kultur und Medien, sagte Anfang April 2020 gegenüber der Zeitschrift Politik & Kultur, sie sei „untröstlich“, dass die „große Kulturlandschaft“ in Deutschland durch die Pandemie zum Erliegen komme.

Grütters versprach, dass ihr Stab nach „guten Lösungen“ unter einer Reihe von Rettungsprogrammen suche, die aber an die Bedürfnisse der freiberuflichen Kultur- und Kreativschaffenden angepasst seien. „Ich habe wichtige Bundesminister, insbesondere den Wirtschafts-, Finanz- und Arbeitsminister, intensiv für die Situation im Kultur- und Medienbereich sensibilisiert und vehement für eine angemessene Berücksichtigung der Interessen von Künstlern plädiert“, sagte Grütters und fügte hinzu, dies sei in „direkte Soforthilfen für Solo-Selbstständige eingeflossen.“

Bundesmaßnahmen „kaum“ anwendbar

Doch die Allianz der Freien Künste, die 18 Branchen vertritt, entgegnete am 7. April 2020, dass freischaffende Künstler und Solokünstler sowie deren Kleinunternehmer „kaum“ Zugang zu solchen Bundesmaßnahmen hätten. „Das liegt zum einen an den fehlenden Bundesrichtlinien zur Anerkennung von berufsbedingten Lebenshaltungskosten als Betriebsausgaben oder Werbungskosten und zum anderen daran, dass die [16 Bundes-]Länder dazu neigen, Verwaltungsspielräume zu Ungunsten der freischaffenden Künstler auszulegen“, so das Bündnis.

Dem Verband gehören Tänzer, bildende Künstler, Schauspieler, Zirkus- und Puppentheaterleute, Tontechniker, Jazz-, Orchester- und Kammermusiker sowie Hörspieldramaturgen an.

‚Schnell und unbürokratisch‘

Der Deutsche Musikrat (DMR) hatte bereits ein monatliches Grundeinkommen von 1.000 Euro (1.088 Euro) für „alle freiberuflichen Kreativen“ gefordert.

„Es ist entscheidend, dass jetzt schnell und unbürokratisch geholfen wird“, sagte der DMR und berief sich auf eine Umfrage, die er im März 2020 durchgeführt hatte, als die Pandemie Abschaltung in Deutschland in Kraft trat, die zeigte, dass 98% der zuvor geplanten Musikaktivitäten abgesagt worden waren.

Die deutsche Kultur- und Unterhaltungsbranche umfasst 171.000 Selbstständige, so die aktuellen Daten des Statistikamtes Destatis. Es bleibt abzuwarten ob und wie die verheerenden Einnahmeverluste der anhaltenden Pandemie in 2021 durch Corona Hilfen durch den Staat aufgefangen werden können.