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Die Musikbranche befindet sich seit geraumer Zeit im Wandel. Selbst große Bands und die Top-Stars unter den angesagten Künstlern können vom Tonträgerverkauf nicht mehr existieren. Spätestens seit Streaming-Dienste mit ihren Flatrate-Modellen den Markt dichtplakatiert haben, sind in der Folge die Verkaufszahlen massiv eingebrochen. Verbleibt die Frage, ob und wie kleinere Bands und Newcomer-Acts die Streamingdienste für sich nutzen und damit Geld verdienen können.

Konzert- und Tour-Geschäften nicht als Rettungsanker geeignet

Der naheliegendste Versuch, auf die rückläufigen Tonträgerverkäufe zu reagieren, war es für viele Künstler, sich auf ihre eigentlichen musikalischen Wurzeln mit dem Konzert- und Tourneegeschäft zu konzentrieren. Bereits das war im Vergleich mit der Vergangenheit ein Paradoxon. Schließlich hatten Konzerte früher den Sinn, frische Alben zu promoten und die Verkaufszahlen anzukurbeln. Aus dem einstigen Marketinginstrument sollte der finanzielle Rettungsanker werden. Der Ansatz war nachvollziehbar, allerdings explodierten im Umkehrschluss die Produktionskosten; die Preise für Konzerttickets kletterten in fragwürdig unerschwingliche Höhen. Dann kam Corona.


Markmacht der Streaming-Dienste lässt sich kaum noch umgehen

Eine Alternative zu CD-Verkäufen konnte bei renommierten Acts mit Live-Konzerten nicht erreicht werden. Erst recht nicht bei unbekannteren und neuen Bands und Künstlern, die ja ohnehin nicht mit großen Gagen beglückt werden. In der Folge konzentrieren sich viele auf den Online-Sektor und spielen ihre Songs und Playlists über die Streaming-Dienste und Video-Plattformen aus. Durchaus sinnvoll, zumal die einstige digitale Parallelwelt mit großer Selbstverständlichkeit längst zur realen Welt avanciert ist. Trotz aller Kritik florieren die Streaming-Dienste wie Spotify, wenngleich die Künstler angesichts der schlechten Konditionen und Abrechnungsmodelle schmerzhaft mit den Zähnen knirschen. Die Streaming-Portale sind derart marktmächtig geworden, dass sie sich kaum noch umgehen lassen.

Marktanteile der Musikstreaming-Anbieter an den Abonnenten weltweit 2021, Quelle siehe Ende des Beitrages

Weitaus mehr Umsatz durch Streaming als über physische Tonträger

Mittlerweile wird über Streaming ein Großteil des Umsatzes innerhalb der Musikbranche generiert. Noch 2009 wurde über den Verkauf von CDs rund die Hälfte des Umsatzes erzielt. Lediglich zehn Jahre später war der Umsatz aus physischen Tonträgerverkäufen auf einen Anteil von 5,5 Prozent des Gesamtumsatzes geschrumpft.

Prognose zum Umsatz mit digitaler Musik nach Segmenten in der Welt 2017-2025, Quelle siehe Ende des Beitrages

Streaming-Dienste erzielten im Jahr 2019 einen Umsatz von 7,1 Mrd. US-Dollar; der Gesamtumsatz der urheberrechtsbewährten Musikbranche betrug 11,1 Mrd. Dollar. In Deutschland waren es zu dieser Zeit mehr als 12 Mio. Euro. Ein deutliches Zeichen für die Verschiebung des Musikkonsums in die digitale Welt.

Prognose der Umsatzanteile im Musikmarkt in Deutschland 2024: Quelle siehe Ende des Beitrages

Künstler fordern schon lange mehr Geld für Streams auf Spotify

Die generelle Problematik beim Geld verdienen für Musiker mit Streaming-Diensten resultiert aus den niedrigen Summen, die für Streams gezahlt werden. Am besten bezahlt Napster mit um die 17 US-Dollar per 1.000 Streams; was allerdings Augenwischerei ist, zumal Künstler über Napster die wenigsten User erreichen. Bei Spotify wiederum wird mit Abstand am wenigsten ausgeschüttet. Und das noch nicht mal einheitlich. Spotify bezahlt – in Deutschland – durchschnittlich zwischen 0,0025 und 0,0042 Euro pro Stream. Künstler wie Farid Bang beispielsweise erhalten für 1 Million Streams 3.800 Euro. Künstler protestieren seit langer Zeit gegen Spotify und Co. und fordern mehr Geld für Streams.

Geld verdienen auf Spotify sollte nicht einzige Motivation sein

Dennoch ist es auch für kleinere Bands nicht uninteressant, ihre Songs auf Spotify & Co. auszuspielen; immerhin lässt sich auch ohne den viral gehenden Stream zumindest ein Taschengeld verdienen, was aber nicht die eigentliche Motivation sein sollte. Vermutlich wichtiger ist die Tatsache, dass über die Präsenz auf den Streaming-Portalen die eigne Fanbase crossmedial vergrößert werden kann. Erst recht dann, wenn man den Spotify-Algorithmus für die Musik innerhalb der Social-Media-Präsenz nutzt und ihn mit den geforderten Vorgaben füttert. Tatsächlich entscheidet der Spotify-Algorithmus innerhalb kürzester Zeit, ob ein Song in technischer Hinsicht funktioniert und in den Playlisten wie Daily Mix, Radio, Discover Weekly oder Release Radar ausgespielt wird.

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Spotify-Ausspielungen müssen crossmedial flankiert werden

In vorderster Linie ausschlaggebend ist die Anzahl der portalübergreifenden User und Follower; exakter ausgerückt, die Anzahlt derer, die über die direkte URL in den ersten Stunden und maximal ersten sieben Tagen nach dem Release auf den Song klicken. Diese erfolgreiche Click-Trogh-Rate kann wirkungsvoll durch Werbeeinspielungen und Content auf Instagram, YouTube, Facebook, TikTok und weiteren Social-Media-Kanälen erreicht und flankiert werden. Das heißt insbesondere für Newcomer, dass Spotify nur eingebettet in weitere Portale und Banddarstellungen funktioniert. Denn dort können weitaus mehr Nutzer dazu motiviert werden, sich die Musik über den Spotify-Link anzuhören, was bei entsprechender Anzahl wiederum von Spotify mit dem Ausspielen in den Playlists honoriert wird. Newcomer müssen sich demnach die Klickzahlen im neuralgischen Zeitraum unmittelbar nach dem Release über ihre digitale Peripherie selbst organisieren.

Sollte man bei weiterhin schlechten Streamingsdienst-Verdiensten seine Musik woanders hosten?

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Fazit

Fraglich bleibt gerade für unbekanntere Musiker, ob sich der gesamte Aufwand für das einigermaßen einträgliche Streaming inklusive Organisation der User-Journey auch nur ansatzweise lohnt. Der klassische Weg, live zu spielen, CDs vor Ort zu verkaufen, E-Mail-Adressen zu sammeln und die Musik über Newsletter anzubieten, scheint die Variante mit sinnvollerem Verhältnis von Einsatz und Ertrag zu sein. Wer als Musiker Geld verdienen möchte, sollte mit eigener Website und bestens gepflegtem Profil auf Musiker-Portalen im digitalen Raum aufgestellt sein, so auch bei den Streaming-Diensten. Allerdings sollte man sich nicht abhängig machen und vor allem nicht ausschließlich auf einen Anbieter konzentrieren. Früher gab es MySpace; durch einen missglückten Serverumzug hatte das Portal 2019 sämtliche Dateien aus 13 Jahren verloren. Alles weg. Also für das Geld verdienen mit Musik, erstens Musik machen und zweitens unbedingt breit aufgestellt sein.

Jetzt seid ihr gefragt: Was ist eure Meinung zum dem Thema. Wird die Musikstreaming-Industrie sich mehr den Bedürfnissen der Künstler anpassen oder so weitermachen wie bisher? Und falls ja wie könnten realistischen Szenarien eurer Meinung nach aussehen? Schreibt es in die Kommentare!


Quellen Statistiken: GfK; Bundesverband Musikindustrie, Veröffentlicht durch Bundesverband Musikindustrie, April 2022